(326) Später beim Empfang hatte Anja sich noch von Bobby küssen lassen.

von Alain Fux

Später beim Empfang hatte Anja sich noch von Bobby küssen lassen. Dabei registrierte sie, dass sie damit fast die ganze Aufmerksamkeit im Raum auf sich zog. Bobby war ein voller Erfolg. Allerdings ekelte sie sich selbst vor ihm. Es kostete sie einiges an Überwindung, ihn überhaupt anzufassen. Ihre Mutter unternahm mehrere Versuche, mit Anja zu reden, aber sie wich immer aus. Schließlich sagte sie Bobby: „Wir gehen, es reicht.“

Sie verabschiedete sich von Birthe mit einem bezaubernden Lächeln, das nur sehr schmallippig erwidert wurde. Anja fühlte sich großartig. Sie hatte die Hochzeitsfeier beeinträchtigt, aber ohne dass man ihr wirklich Vorsatz nachweisen konnte. Niemand konnte sich vorstellen, dass Bobby nur ein Mittel zum Zweck gewesen war.

Leider konnte sich das insbesondere Bobby nicht vorstellen. Er hatte sich angeboten, mit seinem Wagen herzukommen und fuhr sie jetzt nach Hause. Er hatte den ganzen Abend keinen Alkohol getrunken, Anja nahm an, dass er es nicht vertrug. Er sagte, dass er sich hervorragend unterhalten habe und dass Anja eine so nette Familie habe. Besonders ihre Schwester Birthe habe ihn immer so freundlich angesehen. Auch ihre Mutter sei eine fantastische Frau. Anja fragte sich, ob sie auf der gleichen Veranstaltung gewesen waren.

„Was ist das für ein Karton auf der Rückbank“, sagte sie, um das Thema zu wechseln. Bobby erschrak. Er schaute nach hinten, verriss dabei das Steuer und hatte Mühe den Wagen wieder unter Kontrolle zu bringen. „Das habe ich vergessen“, stammelte er. Er hieb mit der flachen Hand auf das Lenkrad. Sie wollte ihn beruhigen und legte ihre Hand auf seinen unförmigen Oberarm. Es wirkte sofort. Bobby wurde ruhig und lächelte auch wieder. Seine weißen Zähne reflektierten das Scheinwerferlicht eines Wagens, der ihnen entgegenkam.

Dann sagte er: „Ich wollte, ich hätte auch eine Familie, die so freundlich und nett ist.“ Anja hörte das nicht gern und schwieg. Bobby nahm es als Ermunterung und fuhr fort: „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, ein Teil dieser Familie zu werden.“ Anja musste handeln. Sie erklärte ihm, wie dankbar sie ihm sei, dass er ihr aus der Klemme geholfen habe. Wäre sie ohne Freund bei der Hochzeit aufgetaucht, hätte man schlecht über sie geredet. Er habe ihr sehr geholfen.

„Du hast allen gesagt, dass ich dein Freund bin.“ – „Ja, Bobby. Das bist du auch. Wir sind befreundet. Aber du bist nicht DER Freund, ja? Das wäre etwas ganz anderes.“ – „Nicht?“, fragte er traurig. „Nein. Wir sind nur befreundet.“ Während dem Rest der Fahrt schien Bobby sehr nachdenklich.

Anja war froh, als sie vor ihrem Haus aus dem Wagen stieg. Immerhin war sie klar genug gewesen, dass er nicht mehr auf einen Kaffee mit hoch kommen wollte. Am besten, sie wechselte das Fitnessstudio, um ihn nicht weiter zu ermutigen.

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