(323) Es war nicht leicht einen Weg durch das Gestrüpp zu finden.

von Alain Fux

Es war nicht leicht einen Weg durch das Gestrüpp zu finden. Scotts Kleidung blieb an Dornen hängen und riss ein. Er blutete. Mehrere Male dachte er, dass er wieder auf der kleinen Lichtung angekommen war. Als er fast mutlos war, fand er sich plötzlich am Rande des Gestrüpps auf einem kleinen Hügel, der zu einer Straße führte. Er hörte Motorengeräusch und beeilte sich, den Hügel hinunter zu steigen. Als er fast unten war, verhedderte sich sein Fuß in einer Wurzel und er stürzte hinunter, landete auf allen Vieren.

Gerade in dem Augenblick hielt der Wagen, den er gehört hatte, neben ihm und die Tür schwang auf. Scott schaute hoch und sah, dass auf der gegenüberliegenden Fahrerseite ein Mann saß und ihn anlächelte. „Kommen Sie. Steigen Sie ein.“ Der Fahrer klopfte mit der Hand einladend auf das Polster des Beifahrersitzes. Scott hievte sich an der Tür hoch und ließ sich auf den Sitz plumpsen. Die Tür schloss sich. Der Fahrer legte einen Gang ein und fuhr los. „Ich heiße Brent Scott.“ – „Freut mich, Brent. Ich bin Marius Stricker.“ – „Ich hatte mich im Gestrüpp verirrt. Meine Frau muss nach mir suchen.“ – „Das wird sich alles klären“, antwortete Stricker.

Scott lehnte sich zurück und schloss kurz die Augen vor Erschöpfung. Der Wagen war sehr leise, man hörte ihn kaum. Die Polster waren angenehm weich. Die Straße, auf der sie fuhren, war gesäumt von Bäumen und schien sich bis zum weit entfernten Horizont auszudehnen. Am Rückspiegel hing ein Rosenkranz aus Lapislazuli. „Ich kannte diese Straße gar nicht. Ist sie neu?“ – „Soweit ich weiß, gab es sie schon immer.“ Nach einiger Zeit sagte Stricker: „Wenn es Ihnen langweilig ist, können Sie gerne das Radio einschalten.“

Scott drehte am Knopf. Eine Tenorstimme sang „I will look in his face, some days in grace, I’ll be happy again“. Scott drehte weiter. Die gleiche Stimme „he restoreth my soul, there is trouble today I hear you say, you’ll be happy again“. Er drehte weiter. Eine Ansagerin: „Und deshalb ein Lied zum Mut machen mit Merrill Womach.“ Dann wieder die Tenorstimme „I’ve been happy before, I’ll be happy again“. Scott schaltete das Radio aus. „Es gibt wohl wenige Sender hier“, meinte er. Stricker antwortete: „Es kommt nicht auf den Sender an, sondern auf die Empfänger. Wie sehen Sie das, Brent Scott?“ Brent sah geradeaus auf die glatte dunkle Straße, die sich zwischen den beiden Baumreihen schnurgerade bis zum weit entfernten Horizont hinstreckte. Dazwischen senkte sich der strahlend blaue Himmel wie ein Kelch herunter.

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