(318) Lange Zeit hatte Terry S. Pinter gar nicht verstanden, was an seinem Namen so lustig war.

von Alain Fux

Lange Zeit hatte Terry S. Pinter gar nicht verstanden, was an seinem Namen so lustig war. Er fand, dass Bibliothekar ein sehr ehrenwerter Beruf war und dass man ihn nicht auslachen solle, wenn er an seinem Schreibpult stand. Erst als ein Besucher ihn aufklärte, dass er einen Namensvetter habe, der Schauspieler sei, verstand Pinter die vielen Anspielungen der letzten Jahre. Kindisch, fand er.

Dieser andere Pinter schien sehr bekannt zu sein, aber die Art von Filmen, die er drehte, war nicht sonderlich wertvoll, so viel wurde Pinter sehr schnell klar. Die Filme gründeten nicht auf literarischen Vorbildern. Sie waren in Wirklichkeit der reinste Müll. Pinter war auch nicht der Name des Schauspielers, sondern der Name seiner Figur, mit der er sich aber sehr weitgehend identifizierte.

Pinter hatte sich einmal einen Film angeschaut mit seinem Namensvetter. Bereits nach zwanzig Minuten hatte er den Kinosaal aber in einer Panikattacke verlassen müssen. Dieser Pinter prügelte sich ständig, hatte unehrenhafte Beziehungen zu Frauen, die er nie heiratete und außerdem war seine Weltanschauung durchweg zynisch. Ein widerlicher Charakter, fand Pinter. Einerseits war es seit dieser Entdeckung einfacher, weil Pinter verstand, warum die Leute lachten, wenn sie seinen Namen hörten. Aber er hatte jetzt öfters Herzklopfen, wenn er Besucher nach ihren Wünschen fragte und dabei das Gefühl hatte, dass sie beim Blick auf sein Namensschildchen eben realisierten, dass es diese Namensgleichheit gab. Er spürte, wie sie überlegten, ob sie ihn darauf aufmerksam machen sollten. Unwillkürlich zog er die Stirn und die Lippen zusammen und bemerkte, wie sie dann von ihrem Vorhaben abließen. Sein Umgang mit den Besuchern war fortan nicht mehr natürlich.

Zu allem Überfluss fragte ihn der Bibliotheksleiter, ob er sein Namensschildchen nicht ändern wolle, um diese peinlichen Momente zu vermeiden. Er könne sich ja Terence Pinter nennen. Das wollte Pinter aber nicht. Er war immer Terry S. Pinter gewesen und dabei sollte es auch bleiben. Die ganze Aufregung setzte ihm immer mehr zu.

Pinter schlief schlecht und war deshalb tagsüber öfters müde. Es war sogar ein paar Mal vorgekommen, dass er an ganz kurz die Augen geschlossen hatte, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Deshalb hatte man ihn freundlich aber tadelnd ermahnt. Es konnte so nicht weiter gehen.

Dann hatte Pinter eine Idee. Er würde versuchen den anderen Pinter zu zwingen, seinen Namen abzulegen. Zweifellos hatte Pinter ältere Rechte und vor allem war er aus Fleisch und Blut. Pinter suchte sich einen Anwalt.

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