(315) Nach dem harten Drehtag musste Meyer erst einmal wieder runterkommen.

von Alain Fux

Nach dem harten Drehtag musste Meyer erst einmal wieder runterkommen. Er legte sich in seinem Hotelzimmer aufs Bett. Er konnte aber nicht einschlafen. ‚Solche Tage gibt es‘, sagte er sich. Er duschte warm, kalt und nochmals warm. Dann zog er sich wieder an, denn heute war Bergfest: Die Hälfte der Dreharbeiten war um und das wurde gefeiert.

Das Filmcatering hatte in einer alten Fabrik etwas organisiert. Meyer war schon etwas spät dran und hatte keine Lust, im Shuttle mit dem Rest der Crew zu fahren. Er nahm ein Taxi. Unterwegs fiel ihm ein, dass er seine Crewkarte vergessen hatte. Aber den Hauptdarsteller würde man ja wohl noch reinlassen.

Das sah Mirko Pesel anders. Sein Job war es, den Eingang der Fabrik zur Straße hin zu sichern. Die Shuttles fuhren hinten rum in den Hof und luden die Gäste ab. Mirkos Job war es die ungeladenen Gäste in Schach zu halten. Das Taxi fuhr weg und Meyer stand, nachdem er sich orientiert hatte, Mirko gegenüber. „Ich gehöre dazu“, sagte er. Mirko fragte nach der ID. „Habe ich im Hotel vergessen.“ Mirko nickte und meinte, er solle sich doch eine andere Party suchen. „Aber ich bin der Hauptdarsteller, Melchior Meyer? Terry S. Pinter?“

Jetzt fand Mirko, dass der Partycrasher es zu weit trieb. Er griff Meyer am Mantelkragen und zog ihn näher an sich ran. Mirko sprach Meyer mit Freundchen an und fragte, ob er ihn für dumm verkaufen wollte. Meyer kam sich hilflos vor. Eigentlich wollte er eh‘ nicht zu der Party. Als Mirko ihn losließ, fragte er, wo er ein Taxi finden könne. „Die Straße runter“, knurrte Mirko.

Dann kam eine Frau vom Catering, um Mirko einen Kaffee zu bringen. Sie erkannte Meyer, der gerade gehen wollte. Das Missverständnis klärte sich auf. „Herr Meyer, es tut mir wirklich sehr leid. Ich habe Sie nicht erkannt. Es ist ja so dunkel hier. Ich hätte ja nie gedacht, dass Sie hier durchkommen. Ich habe alle Ihre Filme gesehen. Sie sind ein fantastischer Schauspieler. Deshalb habe ich Sie wahrscheinlich auch nicht erkannt. Sie haben wahrscheinlich einen Partycrasher gemimt. Das war wirklich toll. Ich hoffe, Sie verzeihen mir. Ich wünsche Ihnen einen tollen Abend.“

Meyer blieb stehen und schüttelte den Kopf. „Wie heißen Sie?“, fragte er. „Mirko Pesel.“ „Wissen Sie, Mirko, Sie waren vorhin wirklich gut. Sie waren ein sehr überzeugender Türsteher. Ein Aschloch, aber das gehört zum Beruf. Nur so kann man überzeugend einen Türsteher spielen.“ Mirko wusste nicht, ob er geschmeichelt sein sollte oder nicht. „Aber jetzt sind Sie einfach nur peinlich. Das hat überhaupt nichts. Diese Schmeichelei klingt einfach nur hohl. Seien Sie doch Sie selbst.“ Meyer folgte der Cateringfrau. Fast hätte er es geschafft gehabt.

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