(314) Melchior Meyer wartete in der Vorhalle des Clubs auf die Klappe…

von Alain Fux

Melchior Meyer wartete in der Vorhalle des Clubs auf die Klappe und dann den Einsatz des Regisseurs. Dann stürmte er als Terry S. Pinter los, als ob er gerade von draußen käme. Hinter ihm seine Leute, sieben harte Kerle, die er als Staatsanwalt mitgebracht hatte, um in der Stadt aufzuräumen. Persönlich fand Meyer die Trenchcoats zu heftig, aber darüber wollte er nicht mit dem Regisseur streiten. In dieser Situation würde sich jeder Staatsanwalt mit verlässlichen Leuten umgeben. Die Trenchcoats machten es wenigstens deutlich, auf wessen Seite sie arbeiteten.

Von rechts sprang ein Stuntman hinter einer Säule hervor. Meyer mimte einen Faustschlag und sandte seinen Gegenspieler quer durch den Raum, wo er sich an einer Marmorsäule selbst ausknockte. Es sah sehr echt aus. Meyer war es unklar, ob das geplant gewesen war. Egal, solange die Klappe nicht fiel, spielte er weiter.

Der zweite Angreifer kam mit einem Messer in der Hand hinter dem Garderobenvorhang hervor. Meyer fand, dass der Stuntman seine Mordlust sehr gut spielte. Bevor er ihm das Messer aus der Hand schlagen konnte, wie es vorgesehen war, verhaspelte sich der Stuntman jedoch an der Thekenplatte der Garderobe und stürzte von oben auf den Marmorboden herab.

Der Regisseur stoppte die Aufnahme. Ein Arzt kam auf das Set und verödete dem Gestürzten die Nase, so sehr blutete sie. Der Stuntman musste das Hemd wechseln und versteckte sich wieder an der gleichen Stelle. Auch Meyer, seine sieben Bodyguards und der erste Angreifer gingen wieder auf Position. Sie mussten etwas warten, weil die Beleuchtung der Szene nachjustiert werden musste.

Dann Klappe. Meyer stürzte wieder voran, als ob er gerade von draußen gekommen wäre. Diesmal stand einer der Trenchcoats im Wege und der erste Angreifer rempelte ihn an, bevor Meyer ihn mit einem Faustschlag durch den Raum befördern konnte. „Alles auf Ausgang“, hieß es. Die Maskenbildnerin kam und frischte Meyers Make-up auf.

In der Zwischenzeit, bis der Beleuchter fertig war, übte Meyer mit den Trenchcoats noch einmal den Auftritt und welche Positionen jeder von ihnen einnehmen sollte.

Bei der nächsten Aufnahme gelang Meyer ein meisterlicher Faustschlag und der Stuntman schlitterte perfekt über den glatten Marmorboden. Bei dem zweiten Angreifer funktionierte der einstudierte Messerkampf ebenfalls einwandfrei. Bei einem Schlag von Meyer ließ der Angreifer das Messer fallen und Meyer setzte ihn außer Gefecht, indem er ihm einen Leberhaken verpasste und dann mit beiden Fäusten auf den Hinterkopf schlug. Meyer war so sehr von seinem Einsatz begeistert, dass er plötzlich vergessen hatte, was er als Nächstes tun sollte. Als es ihm wieder einfiel, hatte der Regisseur die Aufnahme bereits beendet. Alle mussten noch einmal auf Ausgang zurück.

Die Dreharbeiten zu „Der Drache packt aus und muss gehen – Die neuesten Abenteuer von Terry S. Pinter, dem letzten aufrechten Staatsanwalt“ würden sich an dem Tage noch etwas in die Länge ziehen.

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