(313) „Lutz! Meinulf!“ Jazmin Guttchen trat den beiden Männern…

von Alain Fux

„Lutz! Meinulf!“ Jazmin Guttchen trat den beiden Männern mit ihrer rechten Sandale gegen die Fußsohlen. Beide Männer richteten sich in ihren Liegestühlen auf und schauten sie belämmert an. „Ihr glaubt es nicht. Ich wurde gerade von einem Mann niedergerannt! Er hat mich ins Wasser gestoßen!“ Lutz suchte seine Flasche Bier, die im Sand stand und fand, dass sie leer war. Dann zog er die Kühltasche, auf der eine Donald-Duck-Figur abgebildet war, unter dem Stuhl hervor, öffnete sie und nahm das letzte Bier heraus. Meinulf sah ihn bittend an. Ihre Blicke trafen sich. Lutz hielt Meinulf die Bierflasche hin. Meinulf entgegnete: „Wir teilen.“

Jazmins nackter Busen bebte auf und nieder. „Ja wollt ihr etwas unternehmen, Ihr Sackgesichter? Man hat mich brutal umgeworfen! Und Ihr macht nur das nächste Bierchen auf?“ Meinulf nahm seinen Tabakbeutel mit dem Papier und begann, eine Zigarette zu drehen. Jazmin nahm Schwung mit ihrem rechten Fuß und schaufelte den beiden Männern Sand entgegen. „He!“, regte Lutz sich auf, „das wär ja fast ins Bier gegangen.“

Jazmin stand vor ihnen da und hatte die Arme in ihre wabbeligen Hüften gestemmt. „So“, schrie sie, „jetzt reicht es. “Lutz hatte die Bierflasche angesetzt und schaute über die Flasche hinweg zu ihr. Meinulf hatte die Zunge gezückt, um den Klebestreifen auf dem Papier zu benetzen. „Ich gehe jetzt nach Hause und Ihr könnt sehen, wo ihr bleibt! Wer mich nicht verteidigt, braucht auch nicht bei mir zu wohnen. Ich bin eine Dame.“

Jazmin zerrte ihren Kaftan über den Kopf und griff nach ihrer Strandtasche. Als sie sich tatsächlich umwandte und wegging, sprangen Lutz und Meinulf auf. „Jazmin… Das war doch nicht so gemeint… Natürlich verprügeln wir den Kerl… Wo ist er denn… Das wäre ja noch schöner… Du musst ihn uns zeigen… Wie sah er aus…. Den machen wir alle… Jazmin… Bitte….“

Aber Jazmin ging immer nur weiter über den Strand. Als sie ihren Fuß auf den Bürgersteig setzte, der den Strand an einem Ende umfasste, war das wie ein Aufbruchssignal für Lutz und Meinulf. Sie warfen die Flasche und die Kippe in den Sand, sprangen in ihre niedergetretenen Sportschuhe und liefen ihr hinterher, so gut sie laufen konnten. Das war aber nicht besonders schnell und Jazmin gewann zuerst an Vorsprung. Als sie hörte, dass die Männer ihr folgten und ihr zuriefen, sie möge doch auf sie warten, beschleunigte Jazmin ihren Schritt. Sie nahm die Hauptstraße, die von der Strandpromenade abzweigend den Hügel hoch führte. Dabei kam sie am Harvard Club vorbei. Hier musste sie erst einmal stehen bleiben, weil das schnelle Gehen ihr den Atem geraubt hatte.

Vor dem Club standen sieben Männer, gekleidet in identischen Trenchcoats mit Borsalinos, roten Krawatten und weißen Hemden. Jeder trug eine Zeitung unter dem Arm. Als sie keuchend vor ihnen stand, blickten die Männer sie an. „Welcher von Euch Pfeifen ist jetzt gleich noch mal Humphrey Bogart?“, fragte Jazmin giftig.

Advertisements