(309) Domenik Daub arbeitete gerne am Sonntag im Labor der Chemiefakultät.

von Alain Fux

Domenik Daub arbeitete gerne am Sonntag im Labor der Chemiefakultät. Er konnte sich dann ganz auf seine Experimente konzentrieren und wurde nicht ständig von Kommilitonen nach seiner Meinung befragt, wie es unter der Woche ständig der Fall war.

An diesem Sonntag war er ganz alleine. Er wollte mit Kalium experimentieren. Kalium war ein Metall, das explosionsartig mit Wasserstoff reagierte und daher immer in Flüssigkeiten wie Paraffinöl verwahrt wurde. Eine Entsorgungsmethode bestand darin, das Kalium in kleinen Bröckchen in tertiärem Alkohol aufzulösen. Allerdings ging die Reaktion nur langsam voran und hinterließ oft Kaliumreste, die immer sehr gefährlich waren.

Vor drei Tagen hatte Domenik diese Reaktion im Hörsaal gesehen und wollte sie nachvollziehen. Natürlich war das ein Experiment, das eigentlich für ihn nicht erlaubt war. Auch dies war einer der Gründe, warum er am Wochenende ins Labor kam.

Er suchte nach dem großen Gefäß, in dem unter Paraffinöl Kalium aufbewahrt wurde und das der Professor benutzt hatte. Erst nach langem Suchen fand er in einem Aufbewahrungsschrank, ganz unten und hinten ein braunes Glasgefäß, in dem ein großer Klumpen Kalium schwamm. Domenik übersah in seinem Eifer aber, dass es nicht das gleiche Gefäß war, das der Professor benutzt hatte. Er hielt ein Gebinde in Händen, das bereits seit über zehn Jahren vergessen in dem Aufbewahrungsschrank stand. Das Paraffinöl hatte zwar bereits abgenommen, stand aber immer noch hoch über dem Kaliumbrocken. Allerdings war das explosive Metall durch die lange Zeit mit einer orangefarbenen Kruste von Kaliumperoxid überzogen. In diesem Zustand konnte das Kalium bereits durch Berührung mit einer Zange oder einem Messer explodieren.

Domenik fiel die Verfärbung nicht auf. Er stellte das große Gefäß auf den Experimentiertisch und schraubte mit Mühe den Deckel auf. Dann nahm er eine lange Zange und fuhr damit hinein an den Kaliumbrocken.

Die Explosion passierte im gleichen Moment. Das Glasgefäß zerbrach und Scherben drangen in Domeniks Körper ein. Teile des Kaliums verbrannten mit lautem Geräusch überall im Raum, wo sie hingeflogen waren. Auch an manchen Stellen auf Domeniks Körper brannten sie Löcher in seine Haut. Auch wenn er nicht alleine im Labor gewesen wäre, man hätte ihn kaum retten können. So aber starb er an seinen Blutungen. Bereits Minuten später, als der Pförtner kam, war Domenik Daub bereits tot.

Als man ihn telefonisch informierte, brach Dittmar Daub zusammen. Das Wissenschaftsstudium seines einzigen Sohnes hatte er unterstützt und gehofft, Domenik würde danach in die Firma eintreten.

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