(308) Prof. Edwin Hirsch hatte nicht den Eindruck, dass sein Vortrag den gewünschten Erfolg bei seinem Gegenüber hatte.

von Alain Fux

Prof. Edwin Hirsch hatte nicht den Eindruck, dass sein Vortrag den gewünschten Erfolg bei seinem Gegenüber hatte. In der Regel hielt er seine Vorträge für Studenten oder andere Wissenschaftler. Bei einem Multimillionär um Forschungsgelder zu buhlen, war neu für ihn.

Dittmar Daub lag in seinem Stuhl und schaute gelangweilt auf sein Telefon. Hirsch fasste noch einmal sein Projekt zusammen: „Die Menschen werden immer älter. Durch bessere Vorbeugung in der Jugend und im Erwachsenenalter behalten immer mehr Alte ihre Zähne. Allerdings nimmt die Zahnhygiene im Alter ab. Die Betreuung durch Zahnärzte ist mangelhaft. Die Zähne selbst sind meistens noch in Ordnung, aber das Zahnfleisch ist entzündet. Parodontitis ist ein großes Problem. Über diese entzündeten Wundflächen bestehen große Infektionsrisiken, besonders für Lungenentzündungen, an denen viele alte Menschen sterben. Mein Projekt besteht darin, die Ursachen von Parodontitis im Alter besser zu erforschen und Strategien zu entwickeln, um mit einem machbaren Vorbeugungsaufwand, die Krankheit in Schach zu halten. Deshalb wäre ich Ihnen äußerst verbunden, wenn ich ein Stipendium der Domenik-Daub-Stiftung erhalten würde.“

Er schaute Daub erwartungsvoll an. „Hätten Sie noch Fragen?“

Daub räusperte sich und setzte sich aufrecht. „Wo liegt Ihre Motivation? Ich meine, warum ist dieses Thema für Sie wichtig?“ – „Nun“, antwortete Hirsch, „ich bin Zahnmediziner und –forscher. Und Parodontitis ist ein großes Problem. Ich möchte helfen, es zu lösen.“ – „Vielen Dank, Professor Hirsch. Wenn Sie mir eine Papierkopie Ihres Vortrags schicken könnten. Es gibt noch eine Reihe weiterer Termine, die ich habe. Ich werde mich bei Ihnen melden, wenn ich einen Entschluss getroffen habe.“ Daub stand auf und verabschiedete sich von Hirsch.

Als der Professor weg war, kam Daubs Sekretärin herein und brachte ihm die Liste mit Anrufern, die er in der Zwischenzeit verpasst hatte. „Wie war’s?“, fragte sie. Daub winkte ab. „Es war… unappetitlich. Ich will etwas für die Wissenschaft tun. Aber das entzündete Zahnfleisch von alten Leuten? Das wäre nicht die richtige Art an meinen Sohn zu erinnern. Es sollte doch etwas Größeres, Bedeutenderes sein. Alle diese Projekte sind, wenn man sie richtig bedenkt, einfach beschränkt. Ich suche etwas, wo man später sagen kann, dass die Lösung mit meinem Sohn zusammen hängt. Aber dieses Projekt mit dem Zahnstein und den Bakterien… Es hat mich sehr viel an Überwindung gekostet, mir das alles anzuhören.“

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