(304) Herr Meusel? Ich habe gelesen, dass Sie ein Gemälde suchen.

von Alain Fux

„Herr Meusel? Ich habe gelesen, dass Sie ein Gemälde suchen. Dandy mit Dackel. Ich weiß, wo es ist. Auf der Trinity Sea Princess. Läuft gerade aus. Rufus Munk. Das Bild ist auf dem Schiff versteckt.“ Bevor Meusel nachfragen konnte, hatte der anonyme Anrufer aufgelegt.

Munk war ein zwielichtiger Millionär, der indirekt hinter den meisten lukrativen Straftaten in der Stadt stand. Immer wieder Probleme mit der Polizei. Bisher keine Verurteilung. Eine Fassade ohne Risse. Meusel ging der Spur nach. Die Trinity Sea Princess würde in einer Stunde auslaufen in Richtung Amsterdam. An Bord Rufus Munk mit seiner Frau Thea und seinem achtjährigen Sohn Tommy. Insgesamt 239 Passagiere.

Meusel dachte kurz nach und setzte dann alle Hebel in Bewegung, um eine Dursuchungserlaubnis für das Schiff zu bekommen. Parallel organisierte er die Durchsuchung. Nicht ausgeschlossen, dass Munk auch ein paar Leute fürs Grobe mit auf große Fahrt genommen hatte, schließlich war der Dandy mit Dackel Millionen wert. Die Übergabe an den Sammler, der den Bruch in Auftrag gegeben hatte, würde wahrscheinlich in Amsterdam erfolgen. Wenn das Gemälde erst einmal außer Landes war, würde man es kaum mehr wiederfinden.

Als der Richter der Durchsuchung zugestimmt hatte, löste Meusel die Aktion aus. Das Schiff wurde wieder zurück in den Hafen beordert. Meusel und zwanzig Kollegen enterten das Schiff, begleitet von einem schwer bewaffneten Sondereinsatzkommando. Der Anblick des Teams war episch. Die grüßte Hausdurchsuchung, die Meusel bisher geleitet hatte. Das Resultat war weniger rekordverdächtig. Munk wurde bei der Kreuzfahrt auch von seinem Anwalt begleitet. Dieser bereitete Meusel einiges an Schwierigkeiten, sodass Meusel kaum an der Durchsuchung selbst teilnehmen konnte.

Die Aktion brachte keine Spuren und vor allem nicht das Gemälde. Munk musste sofort wieder freigelassen werden. Zu allem Unglück war auch noch ein Großverleger mit seinen Enkeln an Bord. Die Presse bauschte die Story entsprechend auf.

Am Abend hatte sich Meusel aus Frust betrunken, was ihm sonst fast nie vorkam. Am nächsten Tag das Gespräch mit Leuschner.

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