(303) So weit ist es gekommen. Zombies beobachten.

von Alain Fux

So weit ist es gekommen. Zombies beobachten. Welche billige Retourkutsche.

„Herr Meusel, was haben Sie sich dabei gedacht? Ein Kreuzfahrtschiff kurz nach dem Auslaufen zu stoppen, es in den Hafen zurückzubeordern und dann eine Riesenrazzia durchzuführen? Und alles wegen eines anonymen Anrufs?“

Wer kommt da? Clowns, reguläre Clowns. Von weitem sah die Schminke aus wie eine große klaffende Wunde am Mund. Was ist, wenn die Clownsmaske nur eine Verkleidung über der Verkleidung wäre? Darunter eine zersetzte Zombiefresse. Plötzlich im Rosenmontagszug, vor den Kameras, Clownsmaske ab und hallo. Sollte er alle Masken kontrollieren? Am besten alle nach Hause schicken. Karneval fällt aus. Tschüss. Rosenmontagszug. Lächerlich. Alles Zombies.

„Wenn Sie das Gemälde wenigstens gefunden hätten, Herr Meusel, dann hätte ich als Polizeipräsident noch eine Hand über Sie halten können. Aber so? Die Presse würde auch mich zerreißen. Sie sind ja auch das Aushängeschild der Kriminalpolizei nach außen. Es ist Ihnen schon bewusst, dass das Konsequenzen haben muss. Ich sage ja nicht, dass es für immer ist. Aber Sie müssen jetzt mal ein bisschen von der Bildfläche verschwinden. Eigentlich sind Sie ja ein guter Mann. Aber was hat Sie da geritten? Ein ganzes Kreuzfahrtschiff durchsuchen zu lassen. Gutbürgerliche Familien mit Kindern. Dann auch noch mit Maschinenpistolen. Traumata für die Kinder. Das war ganz unappetitlich, Herr Meusel. Fürs Erste habe ich etwas, wo Sie nicht in der Schusslinie stehen.“

So war der Termin mit Herrn Leuschner. Traumata für die Kinder. Und was denn noch? Und dann die Demütigung. Begleitung des Rosenmontagszugs. Mit spezieller Aufgabe, die Teilnahme von Zombies zu verhindern. Ein Witz. Streifendienst wäre besser gewesen. Harter routinemäßiger Streifendienst.

Darauf achten, dass seine Herrlichkeit Prinz Mike der Erste sich nicht plötzlich in einem Trupp rebellischer Karnevalisten wiederfand, die ihm das Hirn unter der Komiteemütze herauslöffeln wollten. Erst ausgelacht wegen der Geschichte mit dem Dackelgemälde. Dann die Aufgabe als Zombiebeauftragter. Das würde ihn wahrscheinlich seine ganze Karriere verfolgen, egal was danach noch kommen würde. „Diese Aufgabe wird Sie etwas entspannen, Herr Meusel. Hier sind die Täter leicht zu erkennen und sie laufen auch nicht so schnell weg.“

Und er musste es aushalten, bloß weil er auf seine Altersversorgung angewiesen war.

„Und versuchen Sie nicht, kreativ zu sein und doch noch Möglichkeiten zu finden, sich noch tiefer reinzureiten, Herr Meusel.“

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