(301) Die meisten Passanten liefen an ihm vorbei und beachteten ihn nicht.

von Alain Fux

Die meisten Passanten liefen an ihm vorbei und beachteten ihn nicht. Hannes hatte zuerst versucht, die Polizei zu warnen, und war nach seiner Flucht in ein Polizeirevier gegangen, um seine Geschichte zu erzählen. Eine Gruppe von Beamten hörte ihm zu und lachte ihn aus. Als der Witz sich für sie abgenutzt hatte, sagten sie ihm, er solle gehen. Auf der Straße hatte er versucht, seine Geschichte zu erzählen, aber keiner hörte ihm zu.

Schließlich hatte er ein Schild geschrieben, auf dem stand: ‚Ich bin vor der Zombie Apokalypse geflüchtet‘. Er dachte, zumindest einige Menschen würden ihn jetzt ansprechen. Sie gingen weiterhin an ihm vorbei, warfen ihm aber jetzt Münzen zu und zeigten ihm verschwörerisch lachend das Daumen-Hoch-Zeichen.

Eines Tages kam ein verlotterter Greis zu ihm und baute sich vor ihm auf. Er fragte, wie die Geschäfte liefen. Hannes erklärte, dass er ein Opfer der Zombies geworden war und die Menschheit vor der kommenden Zombie-Belagerung warnen wollte. Der Greis nickte anerkennend. „Ich bin Otmar“, sagte er. „Ich beobachte dich schon länger. Ich muss sagen, ich bin beeindruckt. Auf die Geschichte ist bisher noch keiner gekommen. Du bist etwas ganz Besonderes. Allerdings, deine Story ist noch nicht perfekt. Aber ich, Otmar, kann sie perfekt machen. Willst du, dass ich dir erkläre, wie du das machen kannst?“ Hannes sagte, dass er immer etwas Neues lernen wollte. Otmar sagte, dass sie dafür aber eine Partnerschaft eingehen müssten. Halbe-halbe, nichts weniger. Hannes sagte zu, sie schüttelten die Hand darauf.

Otmar zog eine Flasche ohne Etikett aus der Manteltasche, entkorkte sie und hielt sie Hannes hin. Hannes trank, es war höllisch starker Schnaps.

Otmar erklärte ihm seine Vision, wie man Betteln ins neue Jahrtausend überführen konnte. Er wollte eine Internetseite einrichten, in denen man sein Anliegen schildern konnte und per Onlinegeldtransfer Almosen von den Lesern anfordern konnte. „Und hier kommst du ins Spiel“, sagte er Hannes. „Deine Story ist goldwert, das interessiert die Leute. Zombie Apokalypse. Herrlich. Mit dem Internet können wir unsere Anstrengungen skalieren und über Social Media entsprechend bewerben. Wir werden leben wir die Könige in Frankreich. Denn, wir brauchen nicht mehr wie die Ölgötzen neben dem Hut zu sitzen. Wir können dezentral unsere Angelegenheiten managen und uns nebenbei die Sonne auf den Pelz brennen lassen. Wie klingt das, Alter?“ Hannes dachte nach. „Aber Otmar, was machen wir, wenn die Zombies aus dem Untergrund aufsteigen? Ich bin zwar immun, aber die anderen Menschen nicht.“

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