(299) Hannes hatte sich von den anderen entfernt und die seltsamen Leute auf dem Bahnsteig selbst erkundet.

von Alain Fux

Hannes hatte sich von den anderen entfernt und die seltsamen Leute auf dem Bahnsteig selbst erkundet. Als Karlo geschrien hatte und seine drei Freunde ins Gleisbett gesprungen waren, hatte sich auch um ihn herum eine Gruppe gebildet. Er konnte nicht weg. Ein großer Mann mit langen fettigen Haaren und leeren Augen beugte sich über ihn und biss ihn in den Arm. Hannes schrie auf vor Schmerz, dann verlor er sein Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, lag er auf dem Bahnsteig und um ihn herum liefen immer noch die Zombies hin und her. Vor ihm stand der große Mann, der ihn gebissen hatte und starrte ihn aus hohlen Augen an. „Wie fühlst du dich?“, fragte er mit einer Stimme, die klang, als ob seine Luftröhre nicht mehr dicht war. „Gut“, antwortete Hannes. „Wer bist du?“ – „Ich bin Bolko. Und das ist meine Horde. Warum fühlst du dich gut? Du müsstest Fieber haben.“ – „Nein“, meinte Hannes, „eigentlich alles ok. Was macht Ihr hier unten?“ – „Das ist die Zombie Apokalypse. Wir warten auf den Auserwählten, der uns hinausführt, um das Werk zu vollenden.“ – „Hmmm…“, antwortete Hannes.

Zehn Stunden später war Hannes immer noch er selbst und Bolko fing an zu glauben, dass Hannes der Auserwählte war. Hannes erinnerte sich, dass er als Kind einmal von einer Fledermaus gebissen worden war, die sich im Badezimmer hinter dem Warmwasserboiler versteckt hatte. Wahrscheinlich hatte ihn der Biss gegen die Zombies immun gemacht. Er sagte aber nichts darüber. Inmitten der herumirrenden Zombies und unter den wachsamen toten Augen von Bolko hatte er Zeit nachzudenken. Er empfand Trauer für Jens, Karlo und Ben, deren Tod er indirekt mitbekommen hatte, als die U-Bahn blutbespritzt aus dem Tunnel herausschoss, in dem die drei gerade verschwunden waren. Das triumphierende Stöhnen der Zombies hatte er immer noch in den Ohren. Hannes musste aus der U-Bahnstation flüchten, um die Menschen da oben zu warnen und auch, um ihnen mit seinem sauberen Blut Hoffnung zu bringen. Vielleicht würde man sein Blut kopieren können und als Impfstoff nutzen, um viele andere Menschen zu schützen. Sonst würde es dunkel aussehen für die Menschheit. Vielleicht war Hannes ja wirklich der Auserwählte.

Manchmal kamen Züge an und wenn die Türen der Wagen sich öffneten, stürzten die Zombies hinein, bissen die Passagiere und zerrten sie auf den Bahnsteig hinaus. Deshalb war die Menschenmenge immer weiter gewachsen. Trotzdem waren immer noch alle Zombies ständig in Bewegung. Hannes hatte sich, um nicht aufzufallen, auch diesen wankenden Gang angewöhnt und lief mit. Er stürzte sich auch in die Wagen, um Reisende zu beißen, denn nur so konnte er Bolkos Vertrauen gewinnen.

Advertisements