(298) Draußen vor der Metzgerei schauten sie sich an, aber keiner wollte reden.

von Alain Fux

Draußen vor der Metzgerei schauten sie sich an, aber keiner wollte reden. „Wir nehmen die U-Bahn zum Fluss“, sagte Jens und zeigte auf die Treppe, die hinunter in den Untergrund führte. Als sie auf dem Bahnsteig ankamen, waren sie von dem Gedränge erstaunt. In der großen Röhre gab es zwei Bahntrassen an den Außenseiten und in der Mitte dazwischen einen Bahnsteig.

Auf der ganzen Länge des Bahnsteigs waren Menschen versammelt. Allerdings standen sie nicht einfach nur da, um auf die nächste Bahn zu warten. Sie waren ständig in Bewegung. Mit langsamen Schritten und herabhängenden Armen bewegten sie sich auf und ab auf dem Bahnsteig. Ihre Augen sahen leer aus und schienen durch die Körper der Priester zu starren. „Ist hier gerade Berufsverkehr?“, fragte Ben und schoss ein paar Fotos. Da es recht dunkel war, schaltete er sein Blitzgerät ein. Das provoziert aber Stöhnen und ruckartige Handbewegungen bei denen, die er fotografierte. „Hör auf“, sagte Jens. „Das sieht nicht nach Berufsverkehr aus. Die Leute sehen alle so abgerissen aus. Verwahrlost.“ – „Vielleicht eine Notfallübung. Evakuierung oder so. U-Bahnhöfe werden oft als Schutzbunker genutzt“, steuerte Karlo bei. „Ich frage mal“, sagte Jens.

Er wandte sich einem Mann zu, der an ihm vorbei schlurfen wollte. „Mein guter Mann, können Sie uns sagen, warum es hier so voll ist?“ Der Angesprochene reagierte nicht und wollte seinen Weg ungerührt fortsetzen. Jens stellte sich ihm in den Weg. Der Mann ging weiter und schob Jens weg. Karlo wollte ihn aufhalten und packte den Unterarm des Unbekannten. Doch als er den knochigen Arm des Mannes in der Hand hielt, stieß er einen Schrei des Entsetzens aus. Fleischfetzen hingen noch an den Knochen. Der Mann schien es nicht zu bemerken und ging einfach weiter, als Jens aus seinem Weg trat. „Zombies!“, rief Jens, „Ich wusste es. Ich glaube, sie wollen uns angreifen. Es kann jeden Augenblick losgehen! Wir müssen weglaufen.“

Er zog Karlo und Ben hinter sich her und flüchtete in Richtung des nächstgelegenen Tunnels. „Wo ist Hannes?“, fragte Karlo. „Ich weiß es nicht, wir müssen weg, sie werden unsere Hirne fressen!“ Sie sprangen auf den Schotter des Bahngleises. Die Zombies hatten sich ihnen teilweise zugewandt und wankten näher. Jens lief schneller. Ben und Karlo folgten ihm. Das Dunkel der Tunnelröhre kam näher, sie liefen hinein. Der Tunnel schien leer. Sie liefen weiter. In einer Kurve ging es leicht bergauf. Als sie mitten in der Kurve waren, kam ihnen geräuschlos eine U-Bahn entgegen und zerteilte ihre Körper auf den Schienen.

Advertisements