(297) Als sie aus der Metzgerei herauskamen, sagte Jens: „Wisst Ihr, was ich glaube?

von Alain Fux

Als sie aus der Metzgerei herauskamen, sagte Jens: „Wisst Ihr, was ich glaube? Wir waren eben Zeuge einer Schutzgelderpressung. Dieser schmierige Typ mit seinen beiden Schlägern wollte doch Geld von der Metzgerin. Nur weil wir reinkamen, hat er von ihr abgelassen. Was meint Ihr?“ Karlo stimmte ihm zu. „Das war eine üble Sache. Ich habe so etwas noch nie gesehen, aber einen anderen Reim kann ich mir nicht machen.“ Auch Ben und Hannes waren dieser Meinung. Sie beschlossen, wieder zurück in die Metzgerei zu gehen und die Metzgerin zu befragen. Sie wollten ihr raten, zur Polizei zu gehen. Sie würden sich anbieten, sie zu beschützen.

„Meine Herren, so schnell zurück? Lassen Sie mich raten: Sie haben ein Würstchen versucht und wollen noch viel mehr davon.“ Frau Wolter lächelte die vier Männer an, die mit ihren Plastiktüten wieder vor ihr standen. Jens führte das Wort. „Wir konnten nicht umhin, etwas zu bemerken vorhin.“ Frau Wolter hob die Augenbrauen an und sah ihn weiter lächelnd an. „Es schien uns, als ob die drei Männer vorhin keine richtigen Kunden waren. Sie schienen eher darauf aus zu sein, Geld von Ihnen zu kassieren.“ Er räusperte sich. „Wir glauben, dass diese Männer Gangster waren.“ – „Das ist richtig“, antwortete Frau Wolter. „Aber, dann müssen Sie zur Polizei gehen. Sie dürfen das nicht so akzeptieren. Sie sind nicht schwach, Sie sind stark.“

Frau Wolter lachte. „Nun ja, ich bin wirklich nicht allzu stark, aber zur Polizei brauche ich nicht zu gehen. Jeder hat da seine eigenen Methoden.“ – „Aber, die kommen doch bestimmt wieder!“ – „Meine Herren, jetzt machen Sie sich mal keine Sorgen. Sie sind nicht Batman hoch vier und Sie sind nicht für mich verantwortlich.“ – „Sie geben also zu, dass Sie erpresst werden und Sie wollen nichts dagegen unternehmen?“ Jens war schockiert und mit ihm waren es seine Freunde. „Falsch. Richtig ist, dass die Herren von mir Geld wollten. Aber ich werde nicht erpresst, weil ich selbst etwas dagegen unternehme. Ich habe diese Metzgerei jetzt schon seit über zwanzig Jahren und ich bin bisher noch mit jeder Bedrohung fertig geworden.“ Sie sah sehr ernst aus, als sie das sagte.

Dann aber setzte sie wieder ihr gütiges Altfrauenlächeln auf. „Aber, meine Herren, was halte ich Sie auf? Sie haben Ihre vorzüglichen Frankfurter Würstchen gekauft, jetzt sollten Sie sie auf jeden Fall auch essen. Ich wünsche Ihnen guten Appetit. Und als Kunden können Sie mich jederzeit wieder beehren.“

Advertisements