(290) Willibald Wecker freute sich auf die Dienstagvormittage.

von Alain Fux

Willibald Wecker freute sich auf die Dienstagvormittage. Dann fand in Lacoste der Wochenmarkt statt. Er fuhr dann immer mit seinem Fahrrad die drei Kilometer zur Place de l’Eglise und kaufte Lebensmittel ein.

Am Stand mit den Oliven probierte er immer mehrere Sorten, bevor er dann die wählte, die er immer kaufte. Das gleiche Vorgehen auch bei den Schweinesalamis. Mit dem Melonenbauer hielt er einen längeren Plausch. Sie unterhielten sich über das Wetter, wie es sich auf die Ernte auswirkte und wie lange die Saison noch anhielt. Willibald roch an mehreren reifen Früchten, bevor er eine davon auswählte und ganz vorsichtig in seine Strohtasche packte. Er schaute auf seine Einkaufsliste. Lauch und Sellerie kaufte er am gleichen Gemüsestand wie immer. Der Händler baute seine Produkte selbst an und Willibald fand es beruhigend, zu wissen, wo seine Lebensmittel herkamen.

Mittlerweile hatte sich die Sonne weiter erhoben und die Schatten wurden kürzer. Willibald ging zu seinem Fahrrad und verstaute die Einkäufe in dem großen Drahtkorb. Dann kehrte er in seinem Stammcafé ein, dem Café de Sade.

„Bonjour, Monsieur Willi“, begrüßte ihn Pierre, der Wirt. Willibald setzte sich an den Tisch am Fenster, von dem man einen guten Blick auf das Markttreiben hatte. Das Licht wurde von dem wilden Wein gefiltert und sah sehr weich aus. Pierre stellte ihm seinen Ricard mit der Wasserkaraffe hin. Willibald kramte die Blechdose mit den Café Crème-Zigarillos aus der Tasche und zündete sich einen daraus an.

Das Café war ansonsten fast voll. Viele Bauern kamen am Markttag hierher, um Freunde zu treffen, Geschäfte zu machen oder um sich zu entspannen. Die Gespräche im Hintergrund empfand Willibald als sehr angenehm. Er goss Wasser in seinen Ricard, der sich schlagartig milchig verfärbte. Mit dem Zigarillo zwischen Zeige- und Mittelfinger nahm Willibald das Glas und führte es an die Lippen. Nach dem Trinken leckte er sich die Lippen mit der Zunge. Noch ein Zug am Zigarillo. Es war ein Tag ganz nach seinen Wünschen. Seine Augen trafen die von Pierre. Willibald hob sein Glas und lächelte Pierre zu. „A la vôtre, Monsieur Willi“, sprach Pierre und lächelte zurück.

Als er seinen Pastis ausgetrunken und sein Zigarillo ausgeraucht hatte, verabschiedete sich Willibald und schlenderte zu seinem Fahrrad zurück. Er setzte sich den Strohhut auf, denn die Sonne hatte mittlerweile fast den Zenit erreicht. Dann radelte er gemütlich die D106 entlang nach Hause.

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