(288) Eines Abends kam Princess nicht von ihrer täglichen Tour zurück.

von Alain Fux

Eines Abends kam Princess nicht von ihrer täglichen Tour zurück. Normerweise kratzte sie irgendwann an der Wohnungstür, diesmal nicht. Cornel war beunruhigt. Nach dem Essen sagte er zu Loretta: „Ich gehe noch mal raus und schaue, ob ich Princess finde.“

Viele der Häuser in der Nachbarschaft standen jetzt teilweise leer. Investoren hatten sie gekauft und warteten darauf, dass die alten Leute, die darin seit langem zur Miete wohnten, entweder auszogen oder starben. Danach wollten sie die Häuser entweder abreißen oder renovieren. Auf jeden Fall teuer weiter verkaufen.

Cornel schaute in den Höfen der Nachbarhäuser, von denen er wusste, dass Princess sie frequentierte. Andere Mieter hatten es ihm erzählt. Als er in einen der Innenhöfe kam, sah er vor sich eine Gruppe von Rentnern aus dem Viertel, die vor einem Hintergebäude standen. Cornel hatte geglaubt, dass das Haus leer sei. Allerdings standen davor ein halbes Dutzend schwere Motorräder und mehrere der Fenster waren erleuchtet. Aus einem der Fenster flatterte eine amerikanische Südstaatenflagge. Aus dem Haus kam gerade ein Rockertyp. Eine hitzige Diskussion entstand.

Einer der Beistehenden klärte Cornel auf: Ein Motorradclub hatte das Hinterhaus gemietet und es zu seinem Clubhaus gemacht. Seitdem gab es in dem Haus die ganze Nacht über laute Musik und immer wieder starteten Motorräder im Innenhof. Durch die Akustik verteilte sich der Lärm in die Wohnungen der Hausbewohner und das war der Grund für den Protest.

Der Rocker, der mit gekreuzten Armen an der Haustür lehnte, hielt die Rentner mit flapsigen Sprüchen auf Distanz. Cornel kannte eine der Frauen, Eva Haupert. Sie war es, die plötzlich ausrastete und mit ihrem Regenschirm auf den Rocker eindrosch. Damit hatte dieser nicht gerechnet. Er überlegte, zurückzuschlagen. Aber das hätte keine gute Presse gebracht und so flüchtete er ins Hausinnere.

Kurze Zeit darauf kam die Polizei mit drei Streifenwagen. Die Rocker hatten sie gerufen. „Das entbehrt nicht einer gewissen Absurdität“, bemerkte Felix Kirschke, ein anderer der Rentner, zu Cornel. Schließlich folgten die Rentner den Anweisungen der Polizei. Auch Cornel musste den Hof verlassen. Erst als die anderen Rentner schon wieder in ihren Wohnungen verschwunden und die Streifenwagen weg waren, ging Cornel zurück, um den Hof doch noch gründlich durchzuschauen. Und wirklich fand er die verstörte Princess versteckt hinter den Mülltonnen. Er nahm die Katze auf den Arm und ging mit ihr nach Hause.

Advertisements