(282) Nigel hielt das Glas mit dem Rotwein gegen das Licht…

von Alain Fux

Nigel hielt das Glas mit dem Rotwein gegen das Licht, schnüffelte daran, probierte ihn schließlich. Einige der anderen Gäste im Restaurant hatten ihn erkannt. Rita hatte das Gefühl, dass sich alle fragten, mit welcher Frau Nigel Baines jetzt zusammen sei und wie die beiden zueinander standen. Sie hatte sich für Nigel entschlossen. Mit Gabriel hatte sie nach dem unsäglichen Rennen nur noch einmal telefoniert.

Nigel war gut aussehend, lustig und der Mittelpunkt jeder Gesprächsrunde. Mit ihm entstand keine Langeweile. „Was hast Du denn gedacht, als Du mich zum ersten Mal sahst?“ – „In Wirklichkeit oder im Kino?“ – „In Wirklichkeit.“ Rita konnte jetzt nicht sagen, dass er kleiner wirkte als auf der Leinwand. „Du warst die Sonne dieser Party. Zum Niederknien.“ Diese oder ähnliche Fragen hatte er schon mehrfach gestellt. Jedes Mal hatte sie bei der Antwort etwas draufgelegt. Mittlerweile waren sie bei einem Niveau angelangt, bei dem Nigel zufrieden schien.

Noch während des Hauptgangs bestellte er eine weitere Flasche Rotwein. Rita war schon etwas betrunken, Nigel merkte man nichts an. Er erklärte ihr seine künftigen Projekte. Jedes Mal klang es etwas anders, neue Namen kamen vor. Immer aber war es die Geschichte eines unglaublichen Comebacks ins Charakterfach. Nigel schien ihr sehr glaubwürdig. Er rückte immer näher zu ihr. Als sie ihr Dessert löffelte und er einen Cognac trank saß er dicht neben ihr auf der Bank.

Als sie mit dem Dessert fertig war, nahm er ihre Hand und führte sie unter die Tischdecke auf seinen Schoß. Er musste irgendwann seinen Hosenschlitz geöffnet haben. Sie spürte seinen warmen erigierten Schwanz der unter dem Tisch auf- und niederwippte, als sie ihn berührte. Sie zog ihre Hand zurück. Er grinste. Sie sah ihn schockiert an. „Bitte“, sagte er.

Durch ihren Kopf ratterten alle Handlungsmöglichkeiten durch. Jede Handlungsmöglichkeit erhielt einen Wert. Als alle Berechnungen durchgeführt waren und das Ergebnis feststand, steckte sie die Hand wieder unter die Tischdecke und umfasste den Schaft. Ein Lächeln ging über seine Lippen und sein Körper sackte etwas zusammen, als er sich entspannte. Nachdem er abgespritzt hatte, wischte sie ihre Hand an der Leinenserviette trocken. Er nahm ihr die Serviette ab und säuberte sich selbst unter dem Tischtuch.

Ritas Zukunftserwartungen hatten sich innerhalb dieser Minuten geändert. Sie konnte nicht mit ihm schlussmachen, denn es wäre für sie eine Kapitulation ohnegleichen. Sie würde mit ihm zusammenziehen, denn auch das war geplant. Aber sie würde ihn nach ein paar Monaten verlassen. Sie hatte sich getäuscht in ihm. Trank ihren Espresso aus und zerknüllte die Serviette, die vor ihr lag.

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