(280) I’m a steamroller baby/ I’m ‚bout to roll over you.

von Alain Fux

„I’m a steamroller baby/ I’m ‚bout to roll over you.“ Noch ein paar Minuten. Der Starter stand bereits neben der Linie, mit der Pistole in der Hand. Gabriel Heinz suchte zwischen den Zuschauern nach seiner Freundin Rita. Sie würde die anderen um mindestens einen Kopf überragen. Aber er konnte sie nicht sehen. Was immer das heißen mochte.

Heinz fühlte sich sowieso fehl am Platz. Obwohl er wie die meisten anderen Teilnehmer des „Elvis Lookalike Memorial Race“ in einem Aloha Suit auf den Start des Rennens wartete. Er seufzte. Diese Amateure. Der Typ, der neben Heinz stand, trug eine Perücke aus Plastik. Bei dem dahinter war die Sonnenbrille gar direkt an der Perücke festgemacht. Fast alle trugen aufgemalte oder falsche Koteletten. Sonnenbrillen aus blasigem goldfarbenem Plastik. Lookalike halt. Heinz war Profi, und zwar nicht nur als Lookalike, sondern gleichzeitig auch Soundalike. Er hatte jahrelang seine Stimme trainiert, um so singen zu können wie der King. Er hatte sein Gitarrenspiel perfektioniert und seine Koteletten waren echt. So echt wie seine Tolle, die er einmal in der Woche nachfärbte und vor seinen Auftritten selbst in Form brachte.

Warum hatte er sich das angetan? Nun, er hatte gedacht, es würde seinen Engagements auf die Sprünge helfen, hier als der beste Lookalike aufzufallen. Allerdings war die Nähe zu diesen Freizeitclowns eher schädlich. Es war eine falsche Entscheidung gewesen. Er sah sich um. Die Zuschauer schienen sich an der Inflation an Elvissen zu erfreuen, aber es war auch viel Schadenfreude dabei.

Immer noch kein Zeichen von Rita. Er konnte auf jeden Fall nicht mehr aus der Nummer raus. Sollte er versuchen zu gewinnen? Nein, auf keinen Fall. Es ging darum, den Schaden zu begrenzen. Irgendwo in der großen Menge ankommen, sich dann schnell irgendwie aus dem Schussfeld der Fotografen entfernen. Auf keinen Fall mit diesen Missgeburten auf ein Siegertreppchen.

Die beiden Idioten, die vor ihm standen, teilten sich noch einen Schluck aus einem Flachmann. Der eine hatte sich ein Aloha Suit gebastelt aus einem Tyvek Overall. Wenn das der King wüsste. Das einzige Zugeständnis, das Heinz gemacht hatte, war ein Paar Laufschuhe gewesen. Der Steamroller Blues war zu Ende. Der Starter hob den Arm mit der Pistole. Die Elvisse stellten sich auf, ein Fuß und ein Arm nach vorne.

Ein letztes Mal schaute Heinz zur Seite, ob Rita ihm vielleicht doch noch zuwinkte. Dann fiel der Schuss und alle rannten los. Heinz sagte sich noch einmal: „Wenn das der King wüsste.“

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