(274) Herr Musuli, Sie sind Philosoph und sagen von sich, Solipsist zu sein.

von Alain Fux

Massimo Zinnopus: Herr Musuli, Sie sind Philosoph und sagen von sich, Solipsist zu sein. Wann haben Sie zum letzten Mal einen anderen Solipsisten getroffen?

Marc Musuli: Das fängt ja gut an. Wollen Sie mit mir ein philosophisches Gespräch führen, oder wollen Sie nur Ihre pickeligen Pennälerwitze ausbreiten?

MZ: Nun, die Idee dazu stammt von Bertrand Russell…“

MM: Ich weiß, Herr Zinnopus. Er sagte, Christine Ladd-Franklin habe ihm geschrieben, sie sei Solipsistin und wundere sich, keine anderen Solipsisten zu treffen. Russell erlaubte sich den Scherz, zu sagen, dass ihn das von einer Logikerin und Solipsistin überraschte. Aber das kann man alles nicht mehr überprüfen. Zur Sache, was kann ich für Sie tun? Für welche Publikation ist dieses Interview überhaupt bestimmt?

MZ: Ehrlich gesagt, ich bin freier Journalist. Ich habe noch keine Zusage…“

MM (seufzt): Was soll‘s. Was sind denn Ihre Fragen, Herr Zinnopus?

MZ: Nun, wie definieren Sie Solipsismus?

MM: Es gibt keine eindeutige Definition dafür. In Wirklichkeit gibt es drei Aspekte, die zusammen das umfassen, was wir als Solipsismus definieren. Da gibt es zuerst die Annahme, dass es außerhalb des eigenen Bewusstseins nichts anderes gibt. Sie, zum Beispiel, sind nur ein Gebilde meiner Einbildung. Das ist der metaphysische Solipsismus, bestimmt die härteste Form.

Dann gibt es den methodologischen Solipsismus. Einfach ausgedrückt geht man hier davon aus, dass der Zustand der Welt nicht direkt, sondern nur durch das Bewusstsein des Betrachters aufgenommen werden kann. Ein bisschen so, als ob wir alle Gehirne in Nährlösungen wären und die Welt nur durch Nervenzuckungen erleben. Diese Variante ist weniger streng als die metaphysische.

Schließlich gibt es noch den ethischen Solipsismus, der aber für unsere Zwecke uninteressant ist, denn hier handelt sich um reinen Egoismus. Alles ist erlaubt, wenn es dem eigenen Vorteil dient.

MZ: Das ist alles sehr abstrakt, Herr Musuli. Wäre es Ihnen möglich, uns diese Konzepte anhand von Beispielen nahezubringen.

MM: Sie meinen, in der Art eines philosophischen Märchens, wie bei Voltaire?

MZ: Oh ja, das wäre schön.

MM: Nun, ich nehme die Herausforderung an. Lassen Sie es mich versuchen.

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