(270) Jemand hat meinen Porridge gegessen…

von Alain Fux

„Jemand hat meinen Porridge gegessen“, sagte Lotty, die sehr große Holzfällerin. „Jemand hat meinen Porridge gegessen“, wiederholte Patty, die mittlere Holzfällerin. „Jemand hat meinen Porridge gegessen“, piepste schließlich Kitty, die kleinste Holzfällerin. „Vielleicht ein Mann!“, sprach Lotty und schaute die anderen Frauen mit lüsternem Blick an. „Jemand hat in meinem Sessel gesessen und ihn dabei kaputt gemacht“, stellte Kitty fest. „Meiner auch“, sagte Patty. „Und mein Sessel ist auch kaputt!“ – „Vielleicht ein Mann!“, sprach Kitty ebenfalls lüstern. Die drei Holzfällerinnen liefen schnell ins Schlafzimmer und durchsuchten ihre verwüsteten Betten. „Nichts!“, sagten sie gleichzeitig mit großer Enttäuschung in der Stimme. „Egal, wer es war, da ging die Post ab“, meinte Lotty und beschaute sich die gesplitterten Holzverbindungen ihres Betts. „Ob das bei dir und Reginald auch so wild sein wird?“, fragte Kitty frech. Patty antwortete schnippisch: „Wir lieben uns, wir zerstören einander die Betten nicht. Na wenigstens brauche ich kein neues Bett, da ich morgen nach der Hochzeit bei Reggie einziehen werde.“

Reginald war in der Gegend eine große Ausnahme. Im Umkreis von 200 Meilen war er der einzige Nicht-Holzfäller. Er betrieb den einzigen Laden und verkaufte dort alles, was die Holzfäller und Holzfällerinnen benötigten, um in der rauen Wildnis zu überleben und sich dann und wann auch etwas Luxus zu gönnen. Patty hatte Reginald schätzen gelernt, als der Geschäftsmann ihr eine Gränsfors Bruks Axt für den Preis einer normalen Axt verkaufte. Das hatte ihr Herz für ihn geöffnet. Lotty, als die größte der drei Holzfällerinnen, war eingangs gegen die Verbindung gewesen. Aber als Reginald ihr und Kitty auch Gränsfors Bruks Äxte schenkte, war sie bereit, der Heirat zuzustimmen.

„Bist du dir sicher, dass du uns das antun möchtest“, sagten Lotty und Kitty mit einer Stimme. „Mädels“, antwortete Patty. „Ich werde immer eine von Euch sein. Und ich werde weiterhin mit Euch in die Wälder ziehen und Holz schlagen. So viel ist klar. Ich bin keine von diesen Frauen, die nach der Heirat nur noch Heimchen am Herd sein wollen. Und wenn ich diesen Anschein erwecken sollte, dann schlagt mich in Stücke mit meiner perfekt geschärften und geölten Gränsfors Bruks!“ – „So soll es sein“, bekräftigten die beiden anderen Holzfällerinnen.

Sie holten alle ihre Gränsfors Bruks-Äxte, nahmen den Blattschutz ab und hielten die Äxte am Stielknauf fest, reckten sie nach oben, wo sie sich an den Nacken berührten. „Alle für Eine, Eine für Alle“, riefen sie dabei.

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