(268) Als Iwo wieder sein Bewusstsein erlangte, stand er auf einer Rampe aus rohem Beton.

von Alain Fux

Als Iwo wieder sein Bewusstsein erlangte, stand er auf einer Rampe aus rohem Beton. Die Rampe wand sich in einer Linkskurve aufwärts. Auf der rechten Seite war eine unendliche Reihenfolge von verschlossenen Türen zu sehen. Auf der linken Seite mündete die Rampe in einen tiefen dunklen Abgrund. Etwa in der Mitte des Abgrunds, den die Rampe umfasste, war ein Turm zu sehen. Nach oben und nach unten schien er sich ins Unendliche fortzusetzen, allerdings konnte Iwo es nicht erkennen, es war zu dunkel. Nur dort wo er stand, gab es etwas Licht, aus welcher Quelle auch immer.

In dem Turm waren viele dunkle Fenster eingelassen, die ihn zu beobachten schienen. Iwo drehte sich um. Hinter sich ging die Rampe in einer Rechtskurve abwärts. Aus dem Dunkel kam etwas langsam auf ihn zugeflogen. Als es nahe genug war, erkannte Iwo zu seinem Entsetzen, dass es ein Haifisch war, der mit geöffnetem Maul auf ihn zuflog. Er drehte sich um und fing an zu laufen. Allerdings kam er nicht schnell voran, denn der Untergrund war nicht aus Beton, sondern aus weichem Gummi. Solange er mit seiner höchsten Geschwindigkeit lief, konnte er den Hai aber auf gleicher Distanz halten.

Jedes Mal wenn der Hai an einer Tür vorbeigekommen war, sprengte sich das Schloss und die Tür zerplatzte in viele kleine Teile, die sich in Luft auflösten. Aus den Fenstern im Mittelturm hob ein starker Wind an und saugte alles aus, was sich hinter der Tür befunden hatte. Iwo konnte nicht genau erkennen, was in dem Saugstrahl gefangen war, aber er nahm an, dass es mit ihm zu tun hatte.

Wenn der Raum leer war, hatte der Hai die nächste Tür erreicht und das gleiche Spektakel wiederholte sich. Wie ein Läufer in Zeitlupe kämpfte Iwo sich weiter voran. Die Rampe nahm kein Ende. Sie musste sich in Spiralform an den Außenwänden des riesigen Innenraums entlang emporschrauben. Sogar wenn es den gefräßigen Hai nicht gäbe, wusste Iwo, dass er die Rampe nicht wieder hinunter gehen konnte. Alles hinter ihm war zerstört und ausgesaugt. Hoffnung gab es für ihn nur darin, dass die Rampe niemals aufhören würde und er immer weiter laufen konnte, um dem Hai zu entkommen.

Nach unendlich vielen Windungen war es jedoch so weit: Die rechte Wand mit den Türen endete und die Rampe führte ins Nichts. Nur der Turm hatte sein Ende noch nicht erreicht, sondern verlor sich im Dunkel des nunmehr vollständig leeren und dunkeln Raums.

Als Iwo oben angekommen war, sprang er auf die Oberkante der Mauer mit den vielen Türen und lief weiter. Der Hai blieb am Ende der Rampe stehen. Und dann bröselte die Mauer unter Iwos Füßen. Alles wurde dunkel und er fiel einen tiefen Fall ins Nichts, das ihn umfasste.

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