(264) Tag, Steffens.

von Alain Fux

„Tag, Steffens.“ Wie immer grüßte Kusack den Kellner im Café Kafka, als er zur Tür hereintrat. Golo Knapp und Iwo Durst saßen schon am Tisch und sahen ihn erwartungsvoll an. „Die Straßenbahn hatte Verspätung“, knurrte Kusack und ließ sich auf die Sitzbank plumpsen.

Steffens brachte ihm sogleich einen großen Braunen. Da Kusack sichtlich schlechte Laune hatte, ließen ihn seine Kumpane erst einmal in Frieden. Knapp schaute wieder in seine Zeitung und Iwo puhlte weiter mit der Nagelfeile eines Nagelklipsers Dreck unter seinen Fingernägeln hervor. Kusack trank von seinem Kaffee und plauderte kurz mit Steffens. Dann legte er die Zeitung auf den Tisch und zeigte auf den Artikel über Jim Burden. Mit einem Monolog darüber brachte er das Gespräch in Schwung. Knapp und Iwo teilten Kusacks Empörung. Auch Steffens pflichtete ihm bei.

Knapp rückte seine Hornlesebrille zurecht und räusperte sich. „Warum sollte man nicht auch einmal einen Artikel schreiben? Man könnte darin die weitverbreitete Liberalität unserer Gesellschaft infrage stellen. Vieles bleibt unerreichbar, wenn jeder machen kann, was er möchte. Es braucht eine stärkere Hand, um das gesamte Volk nach vorne zu bringen.“ Er schaute gespannt auf Kusack und wartete auf dessen Reaktion.

Als Kusack bedächtig nickte, entspannten sich Knapps Gesichtszüge. „Gute Idee, Knapp. Warum schreiben Sie diesen Artikel nicht selbst? Sie haben das entsprechende Renommee und können sich entsprechend ausdrücken. Man wird Ihnen Gehör schenken.“ – „In der Tat“, murmelte Knapp, „man müsste einmal darüber nachdenken. Das wäre bestimmt eine gute Idee.“ Kusack und Knapp nippten an ihren Tassen.

Iwo Durst schob seine Kaffeetasse von sich weg. „Nein, damit bin ich nicht einverstanden. Ich will etwas unternehmen. Schreiben nützt nichts. Von wegen, die Feder ist stärker als das Schwert. Genauso gut könnte man auch gegen den Wind schiffen. Man nimmt uns nicht ernst. Nur Gewalt hilft. Wir brauchen eine tief greifende Veränderung in diesem Land!“

Kusack runzelte die Stirn und schaute sich im Café um. Nur ein Mann saß in der schräg gegenüberliegenden Ecke des Lokals und las Zeitung. Er schien das Gespräch nicht zu verfolgen. Kusack schaute zu Steffens, der seinem Blick gefolgt war. Steffens schüttelte beschwichtigend den Kopf. Knapp räusperte sich und sagte: „Das müsste man überlegen.“ Kusack schwieg.

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