(260) Wie bist du zu den Karten gekommen?

von Alain Fux

„Wie bist du zu den Karten gekommen?“, fragte Hugo, als sie durch die Einlasskontrolle gingen. „Ein Kunde. Ihm gehört das ganze Gelände hier. Nimmt Stunden bei mir. Wie Trinkgeld.“ – „So was gibt’s bei mir nicht.“ – „Das wäre ja noch schöner.“

Dann erkundigte sich Hugo nach Beate (es ging ihr gut, aber Konzerte mochte sie nicht), den Kindern (Helmut nahm an, dass es ihnen gut ging. Seit sie mit dem Tennis aufgehört hatten, sah er sie nur noch wenig) und dem Prozess (wusste Helmut nicht, darum kümmerte sich der Anwalt).

Die Vorgruppe fing an, aber die Brüder holten sich zuerst ein Bier und setzen sich an einen etwas ruhigeren Platz. „Und was gibt es Neues aus der Welt des gehobenen Verbrechens?“, fragte Helmut. Hugo erzählte von seiner Aktion bei Ramiro. „Ich hatte in den Nachrichten davon gehört. Unglaubliche Sache. Aber eigentlich war es doch kompletter Zufall, dass die Bankräuber aufgeflogen sind, oder? Wenn dieser Torfkopp sich nicht ein Auto gekauft hätte und mit kleinen Scheinen bezahlt hätte, wärt Ihr denen doch nie auf die Spur gekommen.“ – „Wenn es dieser Fehler nicht gewesen wäre, dann ein anderer. Von irgendeinem der Bande. Bei uns Polizisten reicht es, wenn jeder mal etwas richtig macht. Und da wir sehr viele sind, machen wir öfters mal etwas richtig. Bei den Gaunern ist es so, dass sie die ganze Zeit über keinen Fehler machen dürfen. Keiner der Bande darf einen Fehler machen. Und das schaffen die Jungs nie. Wir sind klar im Vorteil.“ – „Stimmt“, nickte Helmut, „im Tennis ist es ausgeglichener. Da kann mal einer, mal der andere einen Fehler machen. Aber egal wer es ist, der Fehler hilft dem anderen.“ Sie tranken Bier.

„Macht dein Job dir Spaß“, fragte Helmut. Hugo dachte nach. „Es gibt Momente, da macht es Spaß. Die sind aber auch schnell vorbei. Dann macht es keinen Spaß. Aber wenn Du anfängst, darüber Buch zu führen, merkst du, dass du eigentlich meistens keinen Spaß hast.“ Sie tranken Bier. „Ich verstehe, was du meinst. Tennis hängt mir auch zu den Ohren heraus. Ich habe Glück, dass Beate so sehr dahinter ist. Alleine hätte ich wahrscheinlich schon aufgehört. Die Schlechten und Mittelmäßigen treiben einen in den Alkohol und bei den High Potentials musst du dir den Asch so aufreißen, dass es auch keine Freude ist.“ – „Schlimm“, sagte Hugo. „Scheiß drauf“, antwortete Helmut. „Heute Abend sehen wir Jim Burden und die ‚Tennessee String Pals‘. Und sie spielen Bluesrock. Ich denke, das passt zur Stimmung.“

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