(259) Helmut Krips hatte als Jugendlicher in einem Tennisklub gespielt…

von Alain Fux

Helmut Krips hatte als Jugendlicher in einem Tennisklub gespielt, der ihn etwas förderte. So richtig kam seine Karriere aber erst in Schwung, als Friedhelm Treuner, ein Unternehmer und ebenfalls Klubmitglied ihn unter seine Fittiche nahm. Helmut hätte gerne die Schule geschmissen, aber Treuner wollte, dass er unbedingt einen Abschluss machte.

Anfangs war Hugo skeptisch und vielleicht auch eifersüchtig gewesen. Dann merkte er, dass Treuner ihm einen Teil der Verantwortung für seinen Bruder abnahm. Das gab Hugo mehr Freiraum, um sich endlich um sein eigenes Leben zu kümmern. Treuner lehrte Helmut Selbstdisziplin. Wo Hugo seinem Bruder bedingungslose Zuneigung entgegengebracht hatte, erfuhr Helmut von Treuner, was es hieß, für sich und seine Aktionen verantwortlich zu sein. Sein Spiel wurde immer besser. Er konnte seine Talente weiterentwickeln und durch Erfahrung verfestigen. Seine Trophäensammlung wurde stetig größer. In Fachzeitschriften sprach man von ihm als einem Allrounder, der fast zwangsläufig die Weltspitze erobern musste und für lange Jahre dominieren würde.

Bei großen internationalen Turnieren errang er Achtungssiege und dadurch wurde die Publikumspresse auf ihn aufmerksam. Er war jung, höflich, intelligent und sah gut aus. Sein Gesicht war bald auf vielen Zeitschriftencovern zu sehen. Ein Fernsehsender handelte einen Vertrag mit ihm aus und versprach, alle Spiele zu übertragen. Das hob Helmuts Marktwert. Treuner war über die Entwicklung erfreut, suchte aber immer zu vermeiden, dass Helmut abhob.

Natürlich kam es anders, aber auch das war für Helmut noch eine glückliche Fügung.

Bei einem Turnier lernte er eine Frau kennen, auch sie Tennisspielerin. Er verliebte sich in sie und mit seiner Siegessträhne war es aus. Nicht, dass er faul, übermütig oder abgehoben wurde. Er gewann einfach kein Spiel mehr. Treuner war verzweifelt. Helmut weigerte sich, die neue Liebe zu verlassen. Schließlich schmiss Treuner hin. Er sagte, dass Krips das schlechteste Investment seines Lebens gewesen war.

Helmut heiratete Beate und reiste weiterhin mit ihr zu Turnieren. Es zeigte sich, dass Helmut selbst eine gute Veranlagung zum Trainer hatte. Beate wollte er nie coachen, dafür positionierte er sich als Trainer für junge Nachwuchstalente. Er wurde sehr erfolgreich damit und eröffnete bald eine international renommierte Tennisschule, gemeinsam mit Beate.

Als Treuner zu Ohren kam, dass Helmut sozial und wirtschaftlich sehr erfolgreich war, verklagte er Helmut auf einen Anteil seiner Erlöse. Dabei pochte er auf den Vertrag, den er mit Helmut ausgehandelt hatte. Das Verfahren dauerte an, Helmut hatte den ersten Satz aber für sich entschieden.

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