(255) Die unbekannten Täter drangen am Wochenende in einen der Tresorräume der Bank ein.

von Alain Fux

„Die unbekannten Täter drangen am Wochenende in einen der Tresorräume der Bank ein. Dazu hatten sie über längere Zeit einen 97 Meter langen Tunnel gegraben. Nach Angaben der Polizei ist der Tunnel mit Holz und Plastik ausgekleidet und sogar mit elektrischem Licht beleuchtet. Zwar gingen die Bankräuber mit größter Präzision vor, allerdings hätten sie in dem danebenliegenden Tresorraum eine ungemein höhere Beute gefunden. Während in dem geplünderten Raum nur Münzen und kleine Stückelungen gelagert wurden, befanden sich direkt daneben die Banknoten der großen Stückelungen.“

Ramiro wurde übel und er schaltet den Fernseher aus. Er griff zum Hörer und rief entgegen der Absprachen Sampo an. Dieser hatte auch die Reportage gesehen und war ganz kleinlaut.

„Wie konnte das passieren?“, fragte Ramiro. „Es ist meine Schuld. Ich habe einfach zu klein gedacht. Deshalb zeigte das Artefakt kleine Scheine. Wäre ich mutiger gewesen, hätte es den anderen Tresorraum gezeigt. Scheiße gelaufen. Aber viel Geld ist es auf jeden Fall. Und jetzt reden wir erst einmal nicht mehr, verstanden?“ Sampo legte auf.

‚So ein Schwachkopf‘, dachte Ramiro. Vor ihm lagen die Scheine, die er in seiner Hose herausgeschmuggelt hatte. Mehrere dicke Bündel, die nach einem höheren Wert aussahen, als sie wirklich darstellten. Ramiro packte das Geld in eine Umhängetasche und verließ die Wohnung. Mit dem 103er Bus fuhr er zu einem Autohändler, dessen Ausstellungsräume er in den letzten Wochen schon mehrmals besucht hatte.

Als er ankam stand der silbermetallicfarbene Jaguar XKR Silverstone immer noch im Schaufenster. 59.000 km auf der Uhr. 29.475 Euro. Das entsprach 349 Banknoten von 20 Euro plus 2.111 Banknoten von 10 Euro plus 277 Banknoten von 5 Euro. In Summe genau der Inhalt von Ramiros Umhängetasche. Das Geld im Rucksack wog fast zwei Kilo und nebeneinander gelegt stellten die Bündel eine Länge von etwa 41 cm dar. Lukas Winkelmann, der Autohändler machte ein verdutztes Gesicht, als Ramiro die gebündelten Banknoten auf den Schreibtisch legte. „Ich habe mein Sparschweinchen geschlachtet.“ – „Kein Problem“, entgegnete Winkelmann und rief seine Sekretärin herein, um ihm beim Zählen zu helfen.

Der Betrag stimmte. Ramiro bekam die Autopapiere, die Schlüssel und einen Händedruck vom Autohändler. Er setzte sich in den Jaguar und ließ den Motor an. Mit einem dröhnenden Motorengeräusch und leichtem Reifenquietschen fuhr er vom Grundstück des Autohändlers auf die Straße.

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