(254) Sampo schickte Ramiro zwei Meter zurück in den Tunnel…

von Alain Fux

Sampo schickte Ramiro zwei Meter zurück in den Tunnel, bevor er den Lederkoffer aus der Plastiktüte zog und öffnete. Er konzentrierte sich auf sein mentales Bild von Geld und beobachtete das Artefakt. Ja, genau hier war der richtige Punkt. Er steckte den Koffer weg und sagte: „Hier ist der richtige Punkt. Genau hier soll der Mann mit der Betonsäge ansetzen.“

Stunden später war der Durchbruch geschafft. Sampo zwängte als erster seine breiten Schultern durch das enge Loch nach oben. Tyrone reichte ihm eine Lampe. „Hier sind wir richtig“, murmelte Sampo, als er im Lichtschein die Metallschränke anleuchtete. Tyrone stellte mehrere weitere Lampen auf und leuchtete den ganzen Raum aus. Ramiro und die anderen kamen auch hoch. „OK Jungs“, sagte Sampo, „wir hebeln erst einmal alle Schränke auf, um eine Idee zu haben, was wir mitnehmen wollen. Alles schaffen wir nicht, wir werden uns auf die größeren Scheine konzentrieren.“

Ramiro teilte Brecheisen aus und sie verteilten sich im Raum. Nach zwanzig Minuten war die Luft in dem Tresorraum schweißfeucht und die Männer keuchten vor Anstrengung. Jeder Schrank für sich genommen stellte keine Herausforderung dar, aber es waren sehr viele Schränke gewesen. Sampo ging mit einer Liste herum und notierte grob, was in den einzelnen Schränken war. Zunehmend verdüstere sich sein Gesicht. Viele der Schränke enthielten Rollengeld, das nicht zu transportieren war. In den anderen fanden die Räuber Papiergeld, allerdings nur in den kleinsten Stückelungen.

„Wir haben ein logistisches Problem“, verkündete Sampo. „Wir hätten doch einen LKW gebraucht, außerdem mehr Leute, um die Kohle durch den Tunnel zu schaffen.“

Die Teambesprechung der Räuber ergab keine besonderen Geistesblitze. „Wir müssen halt so schnell wie möglich arbeiten und versuchen eine zweite Fahrt mit dem Lieferwagen durchzuführen. Sonst sehe ich nichts.“ Der Abtransport der Beute war anstrengender als die Grabung des Tunnels. Dabei hatten sie sich Zeit lassen können. Durften wegen des Lärms auch nicht zu schnell graben. Jetzt konnte es nicht schnell genug gehen. Nach und nach ergaben sich eine Arbeitsteilung und ein ausbalancierter logistischer Prozess.

Dann allerdings war die Zeit um, sie mussten einen Großteil der Beute zurücklassen. Bevor er als Letzter den Tresorraum verließ, stopfte sich Ramiro Bündel von Geldscheinen in die Cargohose, die Jacke, die Socken und unter den Pullover. Der Betonbohrer war als erster weg gewesen. Von den anderen nahm jeder einen Teil der Werkzeuge in seiner Sporttasche mit, um sie später zu entsorgen. Die Männer verabredeten sich in fünf Tagen, um die Beute aufzuteilen.

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