(252) Als Capitano und Horatio durch die Hauptstraße gingen…

von Alain Fux

Als Capitano und Horatio durch die Hauptstraße gingen, kam ihnen Ruthenisches Salzkraut entgegengerollt. Die Stadt schien ausgestorben. Niedrige Häuser mit blinden Fensterscheiben waren durch verwahrloste Vorgärten von der Straße abgetrennt und duckten sich weg. Stromleitungen schwangen im Wind zwischen den Masten und sirrten dabei leise. Sonst war es still.

„Was suchen wir hier?“, flüsterte Horatio. Er erschrak, als Capitano in normaler Lautstärke antwortete: „Wir suchen ein neues Leben. Zumindest einen neuen Anfang.“ Es schien Horatio aussichtslos, in dieser Einöde irgendetwas Neues zu entdecken. Als er das Capitano sagen wollte, bedeutete dieser ihm, zu schweigen, und zeigte auf einen Menschen, der etwa hundert Meter entfernt an einer Laterne lehnte.

Sie näherten sich vorsichtig und erkannten, dass es ein Mann war, der ein dunkles, durchsichtiges T-Shirt anhatte, auf dem weiße Knochen aufgemalt waren. Auf dem Kopf trug er eine Baseballkappe. Als er sie ankommen sah, öffnete sich sein Vollbart und er zeigte zwei unvollständige gelbe Zahnreihen. „Hallo Freunde?“, rief er ihnen mit einer krächzenden Stimme zu. „Hallo“, antwortete Capitano zurückhaltend, „wer bist du?“ – „Ich bin Tyrone?“ Tyrone schien die Angewohnheit zu haben, bei jedem Satzende die Stimme zu heben, als ob er eine Frage stellte. „OK, Tyrone. Vielleicht kannst du uns helfen.“ – „Was sucht ihr denn? Drogen? Frauen?…“ Capitano winkte ab. „Wir suchen jemand, der besondere Dinge kauft.“ – „Was denn genau? Heiße Ware?“ – „Vielleicht. Es ist ein ungewöhnliches Ding. Es findet alles, was man sucht. Man braucht nur daran zu denken.“ „Ha, ha?“, Tyrone lachte mit weit geöffnetem Mund. „Ihr seid Scherzkekse? Torwald hatte recht?“ Capitano stellte sich hinter Horatio und sagte ihm, dass er den Rücken rund machen sollte. Dann stellte er den Koffer auf Horatios Buckel. Er erschien Horatio schwerer als erwartet. Er hörte die Verschlüsse aufschnappen. „Was ist das denn?“, Tyrone trat einen Schritt vor, aber Capitano musste ihn angehalten haben. „Was du möchtest, befindet sich in deiner linken hinteren Hosentasche“, sagte Capitano mit ruhiger, aber eindringlicher Stimme. „Ja, das stimmt? Meine Zigaretten? Ich wollte mir gerade eine anzünden?“ Horatio hörte das Schrappen eines Streichholzes und roch dann den verbrannten Tabak. „Das war nicht schlecht? Ich denke mir jetzt etwas Komplizierteres aus und du musst es für mich finden?“ Der Koffer klappte zu und die Verschlüsse klickten. „Das wird nicht gehen, fürchte ich.“ Die Last wurde von Horatios Rücken genommen und er sah, wie Capitano den Koffer zwischen seinen Füßen auf die Erde stellte. Horatio richtete sich wieder auf. „Die Frage ist: Wer kauft hier? Führ uns zu ihm.“ Tyrone schien zu schmollen. „Bitte“, fügte Capitano hinzu. Tyrone antwortete: „Sampo?“

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