(250) Schon seit Jahren waren Capitano und seine Leute einem Artefakt auf der Spur.

von Alain Fux

Schon seit Jahren waren Capitano und seine Leute einem Artefakt auf der Spur. Damit, so hatte Capitano herausgefunden, konnte der Besitzer die kommunistische Weltrevolution auslösen. An die Existenz des Artefakts und dessen Kraft zu glauben, war in der Miliz die Regel Nummer eins.

Der Capitano hatte eine gute Nachricht: „Leute, ich habe jetzt einen sicheren Hinweis erhalten, wo sich das Artefakt befindet. Ein Kundschafter hat den Ort bestätigt. Wir fahren jetzt sofort los. Macht Euch bereit!“ Wieder gab es ein großes Hurra und innerhalb von fünf Minuten waren die Milizionäre in ihrem Minibus zum Einsatzort unterwegs. Capitano führte sie in ein Industriegebiet und dann zu Fuß weiter zu einer scheinbar verlassenen Fabrikhalle.

Es gab nur einen Eingang, hatte Capitano berichtet, ein großes Schiebetor. Darüber stand in großen Lettern: ‚Tartaglia. Antiquitäten aller Art‘. „Wir gehen alle gemeinsam rein, außer Horatio. Du bleibst hier und hältst uns den Rücken frei.“

Das Schiebetor war offen und so gingen sie durch den Vorraum in ein riesiges Lager mit meterhohen Regalen, vollgestopft mit altem Krimskrams. An einem der Regale stand ein Mann, der einen roten Fez auf dem Kopf trug. „Hände hoch, Tartaglia!“, sagte Capitano mit dramatischer Stimme. „Wir sind hier um das Artefakt zu holen. Kooperiere und es wird dir nichts geschehen.“

Der Mann am Regal hob die Hände. Er hatte ein vernarbtes Gesicht mit einem unregelmäßigen Vollbart. Als er grinste zeigte er seine Goldzähne. „Capitano. Ich habe auf Sie gewartet. Willkommen. Was sie suchen steht vor ihnen auf dem Tisch.“ Als Capitano den kleinen Lederkoffer vom Tisch nahm, schauten alle Milizionäre auf ihn. Der Mann im Fez lachte und legte einen großen Schalter um, der am Regal befestigt war. Im gleichen Augenblick kam Horatio hereingestürmt, griff Capitano am Kragen und zog ihn mit unmenschlicher Kraft durch den Ausgang hinaus. „Es ist eine Falle!“, keuchte er noch, als die Bombe im Büro explodierte. Die beiden Männer wurden von der Wucht der Explosion hinauskatapultiert.

Die Fabrikhalle stand in Flammen. Weder der Mann mit dem Fez noch einer der Milizionäre hatten überlebt. Capitano setzte sich auf. In der Hand hielt er immer noch den Koffer. Er setzte ihn vorsichtig auf die Erde und öffnete ihn. Ein goldener Schein traf seine Augen. „Das Artefakt! Wir haben es.“ – „Wir müssen fliehen“, sagte Horatio, „Drei Autos kommen dahinten. Sonst sind wir auch dran.“ – „Woher wusstest du?“ – „Ich habe meine Haare gekämmt und sah im Spiegel, wie ein Typ mich vom Gebäude drüben beobachtete.“ – „Wo ist er?“ – „Er ist tot, Capitano. Wir müssen los.“

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