(248) Pantalone ist verbraucht, am Ende.

von Alain Fux

„Pantalone ist verbraucht, am Ende. Genauso wie das System, das er vertritt. Er ist ein Bourgeois, nur auf den eigenen Profit bedacht.“ Der Capitano marschierte mit großen Schritten so schnell, dass Kolombine Mühe hatte, ihm zu folgen.

„Um es mit Marx zu sagen: Pantalone hat kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen, als das nackte Interesse.“ Kolombine warf ein: „Ja, es gibt ja auch noch die Liebe.“ – „Genau, was wir aber brauchen, ist die Liebe zur Revolution! Denn wir haben nichts zu verlieren als unsere Ketten. Und dann wird er seine Beine in die Hände nehmen müssen, der Herr Pantalone.“

Kolombine griff nach Capitanos Hand und blieb stehen. Er hielt an und drehte sich zu ihr. „Was ist los? Du hast doch kein Mitleid mit dem Schmarotzer, oder?“ – „Du machst mir Angst, Capitano. Warum hast du mich gerettet, wenn du nichts für mich empfindest?“ Capitano entwand sein Handgelenk aus ihrem Griff. „Ich wollte nur nicht, dass der alte Bock dich bekommt. Für Liebe haben wir keine Zeit. Wir müssen alle Türen und Fenster aufreißen. Wir brauchen den frischen Wind der Erneuerung.“ Er marschierte wieder los, Kolombine folgte ihm. „Wo eilen wir hin?“, fragte sie ihn. „Ich habe ein Treffen mit der Miliz, meinen Leuten. Was du machst, weiß ich nicht. Aber versuche nicht, meine Männer vom Kämpfen abzuhalten. Unser Kampf wird einen hohen Blutzoll verlangen, aber es ist ein gerechter, ein notwendiger Kampf.“ – „Warum muss es mit Blut ausgetragen werden? Kann man nicht einfach reden?“

Capitano blieb stehen. „Jeder Staat wird auf Gewalt gegründet. Und um die Ungerechtigkeit zu beseitigen, braucht man ebenfalls Gewalt.“ – „Du klingst auch nicht anders als die. Kampf, Blut, Opfer… Pantalone hat mir wenigstens ein schönes Leben versprochen.“ – „Pah, als sein Maskottchen, was? Als eine Arbeitskraft für seine emotionalen Bedürfnisse, als sein Flittchen…“ Kolombine schlug ihm mit der Hand ins Gesicht. Blitzschnell schlug Capitano Spavento so fest zurück, dass Kolombine kurz aufschrie und sich dann den Kiefer hielt.

„Niemand schlägt den Capitano. Auch du nicht. Ich möchte nicht, dass du mit mir kommst. Du bist keine gute Motivation für meine Männer. Warum gehst du nicht zu Harlekin? Er ist zwar ein Opportunist, aber er ist den Proletariern näher als man denkt. Irgendwann wird es ihm auch selbst klar werden. Warum gehst du nicht zu ihm und gebärst ihm starke Kinder, die unseren Kampf gegen die Bourgeoisie unterstützen können? Vergeude deine Zeit nicht mit mir. Ich bin mit der Waffe verheiratet.“ Damit stürmte er voran und ließ Kolombine hinter sich zurück.

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