(247) Kolombine stand in der Mitte von Pantalones großem, karg eingerichtetem Wohnzimmer…

von Alain Fux

Kolombine stand in der Mitte von Pantalones großem, karg eingerichtetem Wohnzimmer und sah unglücklich aus. Harlekin, der sie gebracht hatte, stand in der Tür zum Flur und gestikulierte in Richtung Pantalone.

„Entschuldigen Sie, mein Kind, ich bin bald wieder da“, entschuldigte sich Pantalone und drängte Harlekin in den Flur, die Tür hinter sich schließend. Er sagte Harlekin, dass er den Lohn für seine Arbeit in bar bekommen würde. Nachher und bis dahin solle Harlekin unten in der Diele warten.

„Dieser Harlekin will immer im Mittelpunkt stehen“, sagte er bedauernd, als er wieder vor Kolombine stand. „Dieses, mein Kind, ist eines meiner Häuser. Ich besitze noch einen Landsitz, wo ich den Sommer zu verbringen pflege sowie ein kleineres Haus in den Bergen und eine Villa am Meer. Um es direkt anzusprechen: Ich bin wohlhabend. Und den gleichen Wohlstand kann ich Dir, ich darf Dich doch duzen, mein Kind, auch bieten. Ich weiß, dass du kein einfaches Leben hattest. Du hast schon als junges Mädchen hart arbeiten müssen und das hat sich bis heute nicht geändert. Aber jetzt biete ich dir die Möglichkeit, eine neue Lebensphase anzufangen. Du wirst niemals wieder arbeiten müssen, denn du wirst selbst Bedienstete haben. Du wirst auch niemals mehr einkaufen gehen müssen.“ – „Aber ich gehe gerne einkaufen, Herr Pantalone!“ – „Künftig werde ich das alles für dich übernehmen.“ – „Aber was soll ich denn die ganze Zeit machen?“, fragte Kolombine.

„Nun, mein Kind, du könntest deinen Wohltäter bewundern und ihm mit freundlichen Worten und Taten deine Zuneigung zeigen. Mehr braucht es nicht.“ Als er diese Worte ausgesprochen hatte, schepperte es laut im Zimmer und eine der Glasscheiben aus dem großen vorderseitigen Fenster lag zerbrochen auf dem Holzboden. Inmitten der Scherben lag der faustgroße Stein, der durch das Glas geflogen war.

Pantalone trat an das Fenster und schaute hinunter auf die Straße. Dort stand Capitano Spavento und zielte mit seinem Degen auf Pantalones Kopf. „Gib Kolombine heraus, du nichtsnutziger Zivilist! Glaubst wohl, dass du mit Geld alles haben kannst? Na warte, ich werde dir den Kopf rasieren.“ Der Capitano trat zur Haustür und hämmerte dagegen. Kolombine schien zum ersten Mal zu lächeln.

Irritiert ging Pantalone auf den Flur und rief Harlekin hoch. Er befahl ihm, den Capitano wegzujagen. Harlekin lehnte ab. Pantalone gab ihm Geld, Harlekin lehnte immer noch ab. Pantalone gab ihm mehr Geld. Harlekin erklärte sich bereit, durch den Hintereingang hinauszugehen und den Capitano zu überraschen. Das tat er. Kurz darauf hörte das Pochen an der Haustür auf. Pantalone wartete etwas und traute sich dann selbst vor sein Haus.

Dort sah er wie Capitano Spavento und Kolombine die Straße hinuntergingen. Sie musste entwischt sein, als Pantalone mit Harlekin verhandelte. Harlekin hatte sich wohl mit dem Geld aus dem Staub gemacht. Wütend ging Pantalone wieder nach drinnen und schlug die Tür hinter sich zu.

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