(246) Poldy, schau. Stell mal den Eimer Wasser da ab.

von Alain Fux

„Poldy, schau. Stell mal den Eimer Wasser da ab. Ich zeige dir etwas. Das ist ein Brett.“ – „Aha. Das sieht aber gar nicht so aus wie ein Brett.“ – „Das heißt auch nur so, es ist nicht aus Holz.“ – „Nicht aus Holz.“ – „Nein, nicht aus Holz.“ – „Aber ein Brett?“ – „Ja, ein Surfbrett.“ – „Aha, was mache ich damit? Mit diesem Surfbrett?“ – „Du wirst damit auf den Wellen reiten.“ – „Reiten? Wie geht das denn? Das ist doch kein Pferd.“ – „Schau Poldy. Du stehst auf dem Brett und das Brett ist gaanz ooben auf den Wellen.“ – „Du bist ja verrückt. Man kann doch nicht auf einem Brett reiten. Und schon gar nicht gaaaanz oooben auf den Wellen.“ – „Doch, das macht man so.“ – „Wer?“ – „Alle Leute, die das Meer lieben.“ – „Ich mag das Meer nicht. Da machen die doch Pipi drin.“ – „Aber nein, dafür gehen die an Land.“ – „Die Fische?“ – „Nein, die Leute… (versteht jetzt erst) Was denkst du dir nur so in deinem Kopf, Poldy?“ – „Ich weiß nicht, Oskar…“ (Pause) „Oskar, was soll ich jetzt machen?“ – „Du wirst auf dem Brett reiten“ – „Wo?“ – „Draußen auf dem Meer.“ – „Aber wir sind doch hier auf dem Land.“ – „Du musst zuerst raus schwimmen und wenn du draußen bist, stellst du dich auf das Brett.“ – „So wie bei einem Schiff?“ – „Ja, genau.“ – „Aber dafür gibt es ja Schiffe. Damit man kein Brett braucht.“ – „Aber Poldy, schau, Du hast ja gar kein Schiff.“ – „Ich will ja auch gar nicht aufs Meer hinaus.“ – „Aber Poldy, du musst auf das Meer, du hast kein Schiff, aber ein Brett.“ – „Wo?“ – „Na hier.“ – „Und damit soll ich aufs Meer hinaus?“ – „Ja.“ – „Du bist ja verrückt. Ich kann doch gar nicht schwimmen.“ – „Nicht?“ – „Nein.“ – „Schau Poldy, dann habe ich genau die Lösung für dich.“ – „Was denn, Oskar?“ – „Wir gehen an den Strand.“ – „Ja.“ – „Wir legen das Brett auf den Sand und du legst dich der ganzen Länge nach drauf.“ – „Ja.“ – „Und dann schiebe ich dich an, auf das Meer hinaus. So.“ (macht eine weitausholende Bewegung) „Ja.“ – „Dann brauchst du nur noch ein bisschen mit den Armen zu paddeln und schon bist du weit draußen.“ – „Wer? Ich?“ – „Aber darüber reden wir doch die ganze Zeit…“ – „Ich dachte, du legst dich auf das Brett und ich schiebe dich an, auf das Meer hinaus. So.“ (macht dieselbe Bewegung) „Nein, Poldy, das geht nicht.“ – „Warum nicht?“ – „Ich bin zu schick angezogen, das geht nicht.“ – „Aber ich bin auch angezogen.“ – „Eben. Und so schmutzig du angezogen bist, ist das ganz genau das Richtige für dich.“ Poldy nimmt den Wassereimer und schwenkt ihn hin und her. „Aber du bist doch schon fast nass, Oskar.“ Poldy will den Eimer über Oskar ausgießen, verschätzt sich aber und trifft sich selbst. „Ja, Poldy. Aber nur fast. Jetzt stell den leeren Eimer hin und leg dich mal aufs Brett. Nass bist du eh schon.“

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