(243) Peters kam in das Haus und schaute sich um.

von Alain Fux

Peters kam in das Haus und schaute sich um. Die Einrichtung erinnerte ihn an eine spanische Finca, in der er mal gewohnt hatte. Niemand war zu sehen. Die Fenster waren offen und lange weiße Vorhänge bewegten sich im leichten Wind. Peters kam zu einer Treppe, die nach unten führte. Plätschernde Geräusche drangen nach oben. Er stieg langsam die Treppe hinunter. Dann stand er auf einer Art Balkon, der hinunter auf eine Art Innenhof blickte.

Der Innenhof war aber in Wirklichkeit ein Schwimmbecken, gefüllt mit hellgrünem transparentem Wasser. An einer Seite hing über dem Schwimmbecken eine Schaukel. Darauf stand eine junge nackte Frau und pendelte hin und her über der Wasseroberfläche. Von den säulengestützten Terrassen, die über zwei Etagen das Schwimmbecken säumten, fielen Wassergüsse wie lauter kleine Wasserfälle hinunter in das Becken. Unten standen drei weitere Frauen im Wasser und küssten sich. Peters fiel es jetzt wieder ein: Er hatte Geburtstag. Das alles musste zu seinen Ehren organisiert worden sein.

Er ging um das Becken herum und hinter einer Säule sah er, eine weitere nackte Frau, die ihm den Rücken zukehrte und eine Flasche Champagner öffnete. Sie befüllte damit zur Pyramide gestapelte Gläser. Dann stellte sie die leere Flasche ab und nahm von oben zwei gefüllte Gläser. Sie drehte sich zu ihm um.

Peters erkannte die Frau und erschrak. Es war Joan Collins, aber als alte Frau. Sie kam auf ihn zu. „Nein, nein“, schrie er. Sie lächelte ihn an. Dann sah er, dass ihre Brüste nicht gleich groß waren. Ihre linke Brust war praller als die rechte. Während er dies beobachtete, war sie wieder ein paar Schritte näher gekommen. „Du kommst 30 Jahre zu spät“, schrie er. Sie gab ihm die beiden Gläser zu halten und drückte ihre Lippen auf seine, drückte ihren Körper gegen seinen. Peters ging rückwärts und bemerkte nicht, dass er der Kante zu dem Schwimmbecken zu nahe kam. Ein Fuß fand keinen Halt mehr, die Gläser fielen ihm aus den Händen, er ruderte mit den Armen, während Joan Collins ihm zusah, ohne einen Finger zu rühren. Um ihn herum wurde es hell und alles verschwamm.

Peters fiel rückwärts in die Tiefe und wachte schreiend auf. „Sie sind aber ein unruhiger Geist, Herr Zeltnachbar“, grummelte Jürgens und leuchtete Peters ins Gesicht. „Haben Sie von ihrer Verflossenen geträumt?“ Peters trocknete sich mit der Decke den Schweiß auf der Stirn. „Ich weiß auch nicht“, sagte er. „Ich habe geträumt, dass ich den Halt verliere und in ein Schwimmbecken mit grünem Wasser falle.“ – „Algen“, nickte Jürgens, „ein Albtraum für jeden Poolbesitzer. Aber dafür gibt es ja mich. Rolf Jürgens. Poolbau und –pflege.

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