(242) Sein Handy hatte keinen Empfang.

von Alain Fux

Sein Handy hatte keinen Empfang. Peters hatte keine Ahnung, in welcher Richtung sich das nächste Haus befand und ob er dort jemand antreffen würde. Um ihn herum war es beängstigend still. Er setzte sich in Bewegung und versuchte den Weg nachzuverfolgen, den das Auto genommen hatte. Er hatte sich noch nie so getäuscht in einer Frau. Diese Schlange. Sollte sie doch einfach sagen, wenn sie keine Lust hatte und nicht seine Zeit stehlen. Aussetzen in der Nacht. Das würde er ihr heimzahlen.

Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen. Er kam doch recht gut voran. Vielleicht war es ja gar nicht so schlimm. Als er an einem hellen Felsen vorbei gehen wollte, verfing sich sein Fuß in einer Schnur und er stürzte auf das Zelt, das der Felsen in Wirklichkeit war. Peters fluchte und aus dem Zelt unter ihm drangen weitere Flüche hervor. Eine Taschenlampe ging an und ein anderer Deutscher pellte sich aus dem Gewusel des zusammengestürzten Zeltes.

Peters entschuldigte sich und erklärte seine Lage. „Rolf Jürgens“, stellte sich der Camper vor. „Poolbau und –pflege.“ Jürgens war als Wanderer in der Savoie unterwegs und campierte am liebsten alleine in der Natur. „Tut mir leid, wenn ich Sie störe. Können Sie mir Ihre Taschenlampe leihen, dann bin ich auch schon wieder weg.“ – „Nee, nee, nee“, protestierte Jürgens. „Mein Werkzeug gebe ich nicht weg. Und zuerst helfen Sie mir mit dem Zelt. Es ist groß genug für zwei. In dieser Dunkelheit können Sie nicht weiter gehen, es gibt hier tiefe Abgründe.“ Der Gedanke an die Abgründe überzeugte Peters zu bleiben.

Die beiden Männer machten sich über die Zeltplane her, aber Peters hatte keine Ahnung vom Campen und überließ den Wiederaufbau Jürgens. Endlich lagen sie unter der Zeltplane. Jürgens gab Peters eine Decke und rollte sich wieder in seinen Schlafsack. „Was machen Sie überhaupt hier im Dunkeln auf dem Berg?“ Peters räusperte sich. „Ich war mit meiner Freundin hier und wir hatten eine Meinungsverschiedenheit.“ – „Ich verstehe, das Auto vorhin – das muss sie gewesen sein. Naja, so ist die Liebe. Wollen Sie noch einen Happen essen? Ich habe Roquefort, davon bekommt man ganz wilde Träume.“

Jürgens nahm sich ein Stück und musste zugeben, dass der Käse hervorragend schmeckte. „Was machen Sie denn so im Leben, wenn Sie nicht in der Nacht schlafende Wandersleute überraschen?“ – „Ich investiere in Unternehmen.“ – „Trifft sich gut“, sagte Jürgens, „Rolf Jürgens. Poolbau und –pflege. Geld kann man immer gebrauchen.“ – „Ich mache das aber nur über die Börse.“ – „Na, so weit sind wir noch nicht. Kann aber noch werden. Und wenn Sie einen Pool haben, um ein Geldbad zu nehmen, rufen Sie mich an: Poolbau Jürgens.“ Peters rollte mit den Augen. „Ich werde es mir merken. Gute Nacht.“ Er wickelte sich in die Decke und Jürgens knipste die Taschenlampe aus.

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