(240) Das ist eine schwachsinnige Idee…

von Alain Fux

„Das ist eine schwachsinnige Idee“, beschied Gloria, als Jutta meinte, sie wolle Bello mit nach Hause nehmen. „Ich will es aber.“ Jutta erkundigte sich beim deutschen Konsulat in Santo Domingo. Dort riet man ihr davon ab, den Hund mitzunehmen. Die Vorbereitungszeit für die Ausfuhr dauere wegen mehrmaliger Entwurmung und Impfprozedur bis zu 6 Monaten und der Hund müsse in der Zeit in Pflege gehalten werden. „Herzlose Beamtenschweine“, kommentierte sie Gloria die Situation. „Der Hund ist doch ganz glücklich hier. Es wird immer Touristen geben, die sich um ihn kümmern.“ Aber Jutta war weiterhin in Sorge, dass es Bello, diesem speziellen Hund, gut gehen sollte. „Ich dachte, du wärst lesbisch. Am Ende kommt heraus, dass du nur Hunde wirklich magst“, sagte Gloria ganz genervt.

Der Tag des Abflugs kam. Jutta redete mit Manuel und fragte ihn, ob er Bello im Auge halten könne. Sie gab ihm Geld, das er zuerst ablehnte. Sie bestand darauf und schließlich nahm er den Umschlag an sich. Er sagte, dass er nach dem Hund sehen werde. „Vielen Dank, Manuel. Sie sind ein guter Mensch“, sagte Jutta.

In der Zwischenzeit hatte Gloria bereits das Gepäck im Taxi verstaut und wartete neben dem Wagen. Jutta verabschiedete sich unter Tränen von Bello. Auch als sie schon im Auto saß, bat sie den Fahrer anzuhalten und stieg nochmals zum Verabschieden aus. Sie winkte Bello zu, als das Taxi vom Hotel abfuhr.

Nach einigen Kilometern vermisste Jutta die Kette, die Gloria ihr geschenkt hatte. Gloria schnaubte, sagte aber nichts, als der Fahrer eine Kehrtwende machte. Am Hotel stieg Jutta aus dem Wagen und lief zum Empfang. Als sie an der Lieferantenpforte vorbeikam, blieb sie wie vom Blitz gerührt stehen. Hinter der Eisentür lag Bello auf dem Beton. Blut floss aus einer Wunde am Kopf und neben ihm lag ein Baseballschläger aus Aluminium. Für Jutta schien alles wie in Zeitlupe abzulaufen. Manuel zeigte auf den Hund und der Gärtner war dabei, den Kadaver in eine Mülltüte zu schieben. Manuel bemerkte sie und sein Gesicht verfinsterte sich. In der Tasche seines Jacketts hatte Manuel noch den Umschlag mit dem Geld, den sie ihm gegeben hatte.

Von der Seite kam Guido Peters dazu, schaute durch die Pforte und sagte: „Was haben Sie erwartet? Das machen die immer so mit Hunden in der Dominikanischen Republik. Sie hätten sich besser mit meinem Bello abgeben sollen.“

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