(237) Als Jutta Heidtkamp am nächsten Morgen nach Hause kam, war Gernot auf das Schlimmste vorbereitet.

von Alain Fux

Als Jutta Heidtkamp am nächsten Morgen nach Hause kam, war Gernot auf das Schlimmste vorbereitet. Nach dem Faustschlag gegen Kringel war er von den Sicherheitsleuten des Clubs vor die Tür geworfen worden. Geworfen war das richtige Wort, zwei Rippen waren angeknackst. Er hatte kurz gewartet und war dann nach Hause gefahren. Jutta war nicht nachgekommen.

Zwischendurch war er immer wieder eingeschlafen und jedes Mal, wenn er aufwachte, war sie immer noch nicht zurück.

Gernot wusste, dass seine Situation nicht rosig war. Er leitete zwar das Unternehmen, aber seine Frau war die Eigentümerin. Sie hatte alles von ihrem Vater geerbt. Es gab einen Ehevertrag und seine Abfindung wäre bei einer Scheidung, egal aus welchen Gründen, nur sehr unbedeutend.

„Damit du dir keine falschen Vorstellungen machst, ich war im Hotel. Alleine.“ Jutta stellte ihre Handtasche auf der Kommode in der Diele ab. „In jeder normalen Ehe hättest du allen Grund, mir für einen Vorfall wie gestern Abend heftige Vorhaltungen zu machen. Aber ich weiß, dass du viel Schlimmeres getan hast und das eigentlich schon seit wir verheiratet sind. Ich weiß auch, dass du öfters in diesem Club verkehrst. Das war auch der Grund, warum ich mir das einmal ansehen wollte. Naja, ich fand es billig. Ich glaube, ich hätte jeden Grund, dich hochkant hier rauszuwerfen. Zwing mich nicht, dir Beweise vorzulegen.“

Gernot sah Jutta stumm an. Sie musste ihm einen Privatdetektiv hinterher geschickt haben. Damit hatte er nicht gerechnet. Wenn sie so redete, hatte sie bestimmt einiges gegen ihn in der Hand. Wirklich schwer hatte er es ihr, oder dem Privatdetektiv nicht gemacht. Er hatte immer ein Verhältnis neben Jutta gehabt. Zeitweise waren es auch zwei gewesen, aber das war zu stressig geworden. Er hatte es bei einer Geliebten gelassen und manchmal, wenn ihm danach war, hatte er sich ein Escort Girl kommen lassen. Für das alles konnte es sehr gut Film- oder Fotoaufnahmen geben. Mit ihr zu streiten machte keinen Sinn.

„Wie stellst du dir die Zukunft vor?“, fragte er vorsichtig. „Abgesehen von deinen vielen Ausrutschern, ist das Leben mit dir recht angenehm. Ich will mich nicht von dir trennen. Wir haben beide die 50 überschritten und sollten in der Lage sein, mit der Situation umzugehen. Ich finde, wir sollten uns beide die Freiheit nehmen, unser Leben zu genießen. In Maßen.“ Gernot hörte sich ihren Vorschlag an. Die bewusste Abhängigkeit von ihr wurde größer, das war klar. Andererseits war sein persönliches Komfort-Niveau erst einmal abgesichert. Außerdem konnte er jetzt ohne schlechtes Gewissen fremdgehen. Allerdings war ihm nicht klar, ob das einen positiven oder negativen Effekt auf sein Sexualleben haben würde. Man müsste es testen. Er willigte ein. So wie er sie kannte, würde sie ihm dazu in den nächsten Tagen einen Vertrag präsentieren.

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