(225) Ich treffe mich mit Harald auf ein Tennismatch.

von Alain Fux

„Ich treffe mich mit Harald auf ein Tennismatch.“ Hans stand in der Tür, mit einer Sporttasche in der Hand. Aus der halboffenen Tasche stach der Griff eines Tennisschlägers quer heraus. Ina saß an ihrem Schminktisch und war dabei, ihren linken Daumennagel zu feilen. „Dein Vater schien mir etwas seltsam vorhin.“ – „Wie meinst du das, er ist halt nicht mehr der Jüngste. Aber ich finde, er ist immer noch gut beieinander.“

Manchmal verstand Hans seine Frau nicht. Sie suchte nach Indizien und strickte sich zu allen möglichen Dingen eine Geschichte zurecht. Zwar hatte sie damit in der Vergangenheit oft Recht behalten und Hans wäre eigentlich immer gut beraten gewesen, ihrem Rat zu folgen. Meistens aber folgte er ihrem Rat nicht und es hatte bisher auch dann immer noch gepasst „Ich meine seine Reaktion, als du von den Verkaufsgesprächen mit den Japanern erzähltest. Es schien ihn überhaupt nicht zu berühren.“

Hans stellte die Tasche ab und setzte sich auf das Bett. „Vielleicht hatte er es schon gehört oder geahnt. Er klammert sich auch nicht so sehr an das Unternehmen.“ – „Da habe ich ihn ganz anders kennen gelernt. Was hat er sonst denn mit seinem Leben angefangen? Sich um seine Familie zu kümmern gehörte wohl nicht dazu, oder? Aber ich habe da einen Verdacht…“ ‚Weibliche Intuition‘, dachte Hans.

„Was ist, wenn er versucht, den Deal platzen zu lassen? Hinten rum, ohne dass wir es mitkriegen.“ – „Kann ich mir nicht vorstellen. Was hätte er davon? Seit er mir das Unternehmen überschrieben hat, war er immer sehr loyal.“ – „Aber jetzt geht es ums Ganze. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie ihn gesehen hat, wie er sich in das Hotel Erzengel schlich. Das war, als die Japaner hier waren. Was ist, wenn er heimlich mit denen redet?“ – „Was würde das bringen? Schau, du machst dir zu viele Gedanken. Es ist alles auf der Schiene und bewegt sich in die richtige Richtung. Vertrau mir.“ – „Ich will nur nicht, dass er alles zerstört, was wir planen.“ Hans trat an Ina heran und streichelte ihr den Nacken. „Alles wird gut, mein Schatz. Vertrau mir.“ – „Ich kann es kaum erwarten, endlich aus diesem Kaff zu entkommen. Ich weiß, es ist deine Heimat. Aber mein Heimatort war auch nicht besser. Endlich weg von hier. In den Süden. Es wäre wie ein Urlaub ohne Ende. Wie Schokolade essen, ohne Zunehmen.“ Hans schien ebenfalls in Träumen. „Ja, darauf freue ich mich auch.“ Er sah auf die Uhr. „Ich muss los. Harald wartet.“

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