(206) Am nächsten Tag erreichten sie Porto Cervo kurz nach dem Mittagessen.

von Alain Fux

Am nächsten Tag erreichten sie Porto Cervo kurz nach dem Mittagessen. Der Skipper steuerte die Maximum in den Hafen direkt am Yacht Club. Sonia merkte, wie Hassan bei der Einfahrt die anderen Yachten aufmerksam musterte. Eine oder zwei waren etwa so groß wie die Maximum, aber keine davon sah moderner aus.

Als sie angelegt hatten, entschuldigte sich Hassan. Er hatte ein Hotel in Porto Cervo gekauft und musste den Umbau überwachen. Sonia sagte, dass sie vielleicht den Spa des Yacht Club nutzen wollte. „Alles, was du willst“, verabschiedete er sich, „der Name Mahmoudi hat hier unbegrenzten Kredit.“.

Als er weg war, ging sie zum ersten Mal allein durch die Räume der Yacht und es fiel ihr auf, dass nirgendwo persönliche Dinge von Hassan herumlagen, standen oder hingen. Immerhin lebte er die ganze Zeit über auf dem Schiff. Die Räume waren alle makellos sauber und aufgeräumt. Als sie nach ihrem Rundgang wieder in den Salon kam, hatte bereits jemand ihre Sonnenbrille, ihre Zigaretten und ihren Schal säuberlich auf einem Silbertablett zusammengelegt. Sie nahm alles an sich und ging an Land.

Der Empfangschef des Yacht Clubs ließ es sich nicht nehmen, sie persönlich zum Spa zu geleiten. Er stellte sie Yvette vor, einer attraktiven Frau, ein paar Jahre älter als Sonia. „Herr Mahmoudi ist sehr großzügig“, sagte Yvette zu Sonia, als die beiden alleine waren. „Das stimmt, er ist ein sehr netter Mensch“, antwortete Sonia. „Er hat mich auch schon einmal auf eine Bootstour mitgenommen.“ Yvette studierte Sonia, als sie dies sagte. Sonia tat so, als ob sie es nicht gehört hatte und blätterte in dem Leistungsangebot des Spa. „Ich könnte Ihnen eine galvanische Hautbehandlung anbieten, das ist gut gegen Fett und Toxine. Oder eine Lymphdrainage. Und, wenn es Sie interessiert: ich habe eine Ausbildung zur Botox-Behandlerin. Ich kann Sie gleich hier behandeln.“ Sonia war die Lust auf die Spa-Behandlung vergangen. Yvette fügte leise hinzu: „Hassan ist sehr hautfixiert. Ich weiß nicht, ob Ihnen das schon aufgefallen ist.“ Sonia bedankte sich und sagte, sie wolle zunächst an den Pool, vielleicht später.

Am Pool blieb sie aber nicht lange, denn es war ungewohnt für sie, untätig herum zu sitzen. Leider hatte sie vergessen, ein Buch mitzubringen und Bücher gab es auf der Maximum nicht. Sie stand auf und ging wieder in das Gebäude, diesmal zur Club-Bar. Sie bestellte einen Cocktail bei dem jungen Barkeeper mit den strahlend-weißen Zähnen. Es war zwar erst vier Uhr, aber sie hatte es sich verdient. Außer ihr war nur ein lauter deutscher Geschäftsmann mit zwei anderen Deutschen in der Bar.

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