(204) Vor Jahren hatte Isidor den Castillo de Santa Bárbara zum ersten Mal gesehen.

von Alain Fux

Vor Jahren hatte Isidor den Castillo de Santa Bárbara zum ersten Mal gesehen. Er war nach Alicante gekommen, um an der Prozession zum Kloster von Santa Faz teilzunehmen. Dort sah er das Tuch, mit dem die Hl. Veronika Jesus das Gesicht abgetrocknet hatte.

Bei seiner Rückkehr in Alicante fühlte sich Isidor von dem kleinen Laden mit den lokalen Nougat-Produkten angezogen. Dort sah er zum ersten Mal Marta. Sie bediente die Kunden mit den Produkten ihrer Familie, den Santacruz. Ihr zur Seite stand Sonia Alperi, gleichzeitig ihre beste Freundin. Beide sprachen kaum etwas anderes als Spanisch und Valencianisch. Isidor bot sich an, im Laden auszuhelfen. Der Familienrat der Santacruz stimmte zu.

Zuerst aber musste er lernen wie Turrón hergestellt wurde. Erst als er selbst in der Lage war, aus Mandeln, Zucker und Ei ein essbares Nougat herzustellen, ließen sie ihn ins Geschäft. Er machte sich sehr gut und die Umsätze stiegen, weil er mit englischen, amerikanischen, deutschen und französischen Kunden in ihrer Landessprache reden konnte. Aus dem täglichen Kontakt mit Marta ergab sich Liebe, die von beiden gleichermaßen erwidert wurde. Ein weiterer Familienrat musste sich damit beschäftigen, als Isidor um Martas Hand anhielt. Angesichts der Umsatzsteigerungen, die man ihm verdankte, bekam er eine positive Antwort und einen Termin für die Hochzeit, den 17. September.

Vorher, am 24. Juni, dem Sommersonnenfest, fand in Alicante ein großes traditionelles Straßenfest statt, die Fogueres d’Alacant mit Umzügen durch die Stadt, Feuerwerk und einem ausgelassenen Treiben. Auch die Mitarbeiter von Turrón Santacruz waren dabei. Irgendwann war Isidor mit Sonia am Ende des kleinen Trupps und im nächsten Augenblick hatten sie den Anschluss verloren. Sie irrten durch die engen Gassen der Altstadt. Die Musik, der Alkohol, der tägliche Kontakt – der Grund war unklar. Isidor küsste Sonia. Sonia führte ihn durch einen Hinterhof, eine Treppe hoch zu einer Terrasse. Dort liebten sie sich. Im Stehen, an die Brüstung gelehnt, um sie herum das Halbdunkel.

Als Isidor am nächsten Morgen aufwachte, erinnerten ihn nur noch seine verklebten Schamhaare an das Abenteuer des Vortags. Er hatte Marta betrogen und es würde herauskommen. Dieses heidnische Sommersonnenfest hatte ihn dazu gebracht, Dinge zu tun, die nicht akzeptabel waren. Er schämte sich. Am nächsten Tag verließ er Alicante zu Fuß, auf dem Weg nach Compostela. Er hoffte, so mit Gott und sich selbst ins Reine zu kommen.

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