(203) Die Wanderung von Alicante herauf war sehr anstrengend gewesen.

von Alain Fux

Die Wanderung von Alicante herauf war sehr anstrengend gewesen. Isidor war dankbar, dass er einen ganzen Tag nur entspannen und seine nackten Füße lüften konnte. Am dritten Tag auf dem Campingplatz machte er sich auf den Weg zur Colegiata de San Isidro Labrador, einer Kirche in der Innenstadt. Von Guillermo ließ er sich den Weg erklären. Es war sehr einfach: zuerst geradeaus die Avenida de Logroño hinunter, dann weiter geradeaus der Calle de Alcalá entlang. Er brauchte weniger als drei Stunden und ging sehr langsam dabei, um seine Füße zu schonen.

Von außen sah die Kirche recht gewöhnlich aus. Als er eintrat und sich an das Halbdunkel gewöhnt hatte, sah er den Schrein silbern hinter dem Altar glänzen. Er näherte sich dem Altar. Hoch in der Nische unter einem Jesus mit Strahlenkranz war eine Wolke aus der Engel herausschauten wie bei einer Schaumparty. Die Wolke schien aus einem goldbeschlagenen, wannenförmigen Silbergefäß zu steigen. Darunter eine ebenfalls goldbeschlagene Kiste aus Silber. In ihr war ein kleines Fenster, durch das man aber nicht ins Innere sehen konnte.

Eines der beiden Gefäße enthielt die Reliquien des Hl. Isidor. In dem anderen waren die Reliquien seiner Frau, die ebenfalls heiliggesprochen war, Santa Maria de la Cabeza. Isidor kniete sich in die erste Reihe und versuchte, die Fürsprache seines Namenspatrons einzuholen. Nach einiger Zeit schaute er auf und fixierte die beiden Silberschreine. Isidor wusste nicht, wer in welchem Schrein lag, aber das würde wohl keinen Unterschied machen. „Bitte verzeih mir und bitte für mich armen Sünder. Ich war schwach und ich bereue es.“ Die vier Figuren rechts und links der Reliquien schauten unbeteiligt in verschiedene Richtungen. Christus, der darüber stand, hatte nur Augen für seinen Vater über ihm.

Isidors Knie schmerzten und es war leer in der Kirche. Als er aufstand, warf er versehentlich ein Gesangbuch herunter. Mit einem lauten, lange nachhallenden Plopp landete es auf dem Marmorboden. Isidor beeilte sich, die Kirche zu verlassen.

Als er wieder in der Sonne stand, merkte er, dass er großen Hunger hatte. Genau gegenüber war ein MAXI-Supermarkt. Isidor beschloss, dort Brot und Schinken zu kaufen. Er lief vor den Regalreihen herum und stand plötzlich vor den Süßigkeiten. Mit zitternden Händen nahm er eine Tafel Turrón de Alicante aus dem Regal. Er küsste das Etikett mit der Abbildung des Castillo de Santa Bárbara und seine Augen füllten sich mit Tränen.

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