(194) Leo konnte Hank davon überzeugen, dass er nicht mit Horst Wessel verwandt war.

von Alain Fux

Leo konnte Hank davon überzeugen, dass er nicht mit Horst Wessel verwandt war. „Schade“, meinte Hank.

Ihre Zusammenarbeit lief aber weiter gut. Hank konnte sich zwar nicht durchringen, Leo als Teilhaber mit aufzunehmen, aber er bezahlte ihn ausgezeichnet. Leo war das recht, denn so fühlte er sich freier, auch andere Dinge zu unternehmen. Zum Beispiel wurde er mit der Zeit auch als Militärberater für Filmproduktionen herangezogen. Natürlich immer bei Kriegsfilmen aus dem Zweiten Weltkrieg. Manchmal aber auch bei skurrilen Streifen, wie zum Beispiel als er einen Zombiefilm ausstattete, in dem untote SS-Soldaten herumgeisterten.

Eines Tages erhielt er einen Anruf von Jeff Hill, einem Associate Producer von Ten Second Productions, den er bei einer Party kennen gelernt hatte. Es ging um ein neues Projekt: ein Film mit dem Arbeitstitel ‚D-DAY‘ über die Landung der Amerikaner in der Normandie. „Wie ‚Der längste Tag‘, aber moderner, besser.“ Sie trafen sich in Jeffs Büro. Jeff erzählte, dass die Produktion in Europa stattfinden würde, der genaue Drehort werde aber noch gesucht. Die meisten Aspekte der Ausstattung waren bereits gelöst. Jeff zeigte Leo Fotos der ausgewählten Uniformen. Leo konnte nur bestätigen, dass alles sehr authentisch aussah und dass er es nicht besser gekonnt hätte. Natürlich hätte er diesen Auftrag auch gerne selbst ausgeführt, aber es wäre nicht hilfreich, bei Jeff deswegen zu nörgeln.

Es gab allerdings einen Punkt, an dem es Probleme bei der Ausstattung von ‚D-DAY‘ gab. Die deutsche Seite sollte exemplarisch durch die 21. Panzerdivision der Wehrmacht dargestellt werden. Der Regisseur (bei dessen Erwähnung Jeff mehrmals mit den Augen rollte und den er nie mit Namen bezeichnete), hatte es sich in den Kopf gesetzt, dass man dafür mindestens zwei fahrtüchtige Panzerkampfwagen IV benötigte. Bisher war es nicht gelungen, solche Fahrzeuge aufzutreiben. Jeff fragte Leo, ob er dabei helfen wollte. „Das mache ich gerne, versprechen kann ich aber nichts. Schießen müssen sie aber nicht können, oder?“ Jeff lachte zuerst, hielt dann aber inne und bat Leo, eine solche Frage niemals in ‚seinem‘ Beisein zu stellen.

„Du musst dich auch darauf gefasst machen, dass ich gezwungen werde, öfters nachzufragen. Das bin dann aber nicht ich, sondern ‚er‘.“ – „Kein Problem. Ich klemme mich gleich heute dahinter und werde ein paar Armeehistoriker anschreiben, die ich kenne. Immerhin kann man diese Panzer ja nicht in die Vitrine stellen, wo keiner sie sieht.“

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