(191) Arno Kutzner und Leo Wessel standen sich gegenüber, unter ihnen war auf der Matte ein roter Punkt markiert.

von Alain Fux

Arno Kutzner und Leo Wessel standen sich gegenüber, unter ihnen war auf der Matte ein roter Punkt markiert. Wessel trug rot, Kutzner blau. Es war die dritte Runde im Finale und es stand unentschieden. Wessel war genau so schlank wie Kutzner, hatte aber eine recht beachtliche Körperbehaarung, sogar auf dem Rücken.

Die Gegner waren nach den beiden ersten Runden bereits recht erschöpft. Sie waren sich in Technik und Ausdauer etwa ebenbürtig. Der Kampfrichter gab den Kampf frei. Beide Ringer belauerten sich und zogen von einer Seite des Rings zur anderen. Stehend hielten sie sich mit ausgestreckten Armen am Nacken umschlungen. Wessel duckte sich, packte Kutzners Standbein und versucht ihn aus der stehenden in die kniende Position zu bringen. Kutzner hatte damit gerechnet, verlagerte sein Gewicht und ließ Wessels Angriff ins Leere gehen.

Kutzner warf sich jetzt auf die Knie und umfasste Wessels haarige Beine. Wessel drehte sich im Fallen um und landete auf den Händen. Kutzner versuchte ihn zu wenden. Wessel stemmte einen Arm zur Seite, um genau das zu vermeiden. Dabei kugelte er sich zusammen, wie ein Igel, um möglichst wenig Griffe anzubieten. Kutzner zog Wessel mehr zur Ringmitte zurück und hob Wessels Beine, um ihn umzudrehen. Wessel machte sich breit und blieb auf der Brust liegen. Kutzner keuchte vor Anstrengung und mühte sich ab. Irgendwann flüsterte er in Wessels Ohr, so leise, dass der Kampfrichter es nicht hören konnte: „Du bist doch nur ein behaarter Affe!“ Dabei kniff er an Wessels Brust das Trikot zusammen und zog daran. Wessel winselte, als Kutzner ihm ein Büschel Brusthaare ausriss. Bei diesem Ablenkungsmanöver griff Kutzner Wessel um die Taille, hob ihn hoch und schleuderte ihn auf den Rücken. Mit den Händen konnte er Wessels Schultern schließlich niederdrücken.

Ein Pfiff des Kampfrichters. Kutzner hatte Wessel besiegt und sprang triumphierend auf. Seine Mannschaft applaudierte. Aus den Augenwinkeln konnte er sehen, wie Wessel zum Kampfrichter ging, ihm seine Brust zeigte und sich beschwerte. Der Kampfrichter beriet sich mit dem Punktrichter. Kutzner war erleichtert, als beide den Kopf schüttelten.

Der Kampfrichter nahm die beiden Gegner an den Händen und hob Kutzners Arm zum Zeichen seines Sieges. Wessel schaute Kutzner hasserfüllt an. Danach kam die Siegerehrung und Kutzner erhielt eine Ringerfigur auf einer Stele. Wesel war verschwunden.

Als Kutzner nach dem Duschen zu seinem Fahrrad ging, wartete Wessel auf ihn. Kutzner wollte weglaufen, Wessel war aber schneller. Er drückte ihn hinter einer Außentreppe aus Beton gegen die Wand und verprügelte ihn. Als Kutzner nur noch weinend dalag, urinierte Wessel noch auf ihn und ließ ihn liegen.

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