(190) Mein Sohn Arno hat eben einen großen Vertrag unterschrieben.

von Alain Fux

„Mein Sohn Arno hat eben einen großen Vertrag unterschrieben.“ Frau Kutzner hatte gerade die Zeitung aus dem Briefkasten geholt und dabei ihre Nachbarin Frau Terzner getroffen. Beide waren gleich alt und lebten alleine.

Frau Terzner hatte ihr berichtet, dass ihre Tochter zum dritten Mal schwanger sei und sie sich sehr auf ein weiteres Enkelkind freute. „Es ist immer wieder eine große Freude, so ein kleines Ding in den Armen zu halten. Unglaublich wie schnell sie wachsen. Wie geht es denn Arno?“ So hatte Frau Terzner gefragt.

Frau Kutzner war niemand, der sich auf einen Wettbewerb einließ. Aber für einmal konnte sie kontern. Arno hatte sie am Tag vorher angerufen. Es kam selten vor, denn der Junge war immer sehr beschäftigt. Ständig auf Achse und unter Strom. Manchmal meldete er sich Wochen nicht, aber dann rief er wieder an. Selten kam er vorbei, um sie zu besuchen. Aber dafür hatte sie Verständnis. Der Sport war schon immer seine große Leidenschaft gewesen. Besonders das Ringen.

Als Junge war er ganz gut darin gewesen. Dann hatte er weniger Zeit dafür gehabt, sich die Leidenschaft aber immer bewahrt. Ihr selbst gab Ringen überhaupt nichts. Aber sie hatte den Jungen bei entscheidenden Wettkämpfen immer besucht.

Auf jeden Fall hatte Arno eine Idee gehabt, um das traditionell etwas staubige Ringen ins Showgeschäft einzuführen. Wie beim amerikanischen Catchen, das sie manchmal aus Versehen im Fernsehen sah und wobei sie immer gleich weiter schaltete. Diese dicken, verschwitzen und behaarten Männer in zu eng geratenen Sportklamotten – nein, das wollte sie sich nicht anschauen. Arno meinte auch, dass seine Sendung ganz anders sein würde. Vor allem schöner und ansprechender auch für Frauen. Denn diese waren für die Fernsehleute eine wichtige Zielgruppe beim Sport. Ja, er hatte bereits Gespräche mit dem Fernsehen und es sah sehr vielversprechend aus. Er war auf dem Weg zum Erfolg. Und ja, vielleicht würde Arno dann auch endlich einmal eine Frau finden, anstatt dass er wie ein einsamer Vagabund durchs Leben gehen musste.

Frau Terzner schien auf jeden Fall beeindruckt von diesen Entwicklungen. Es war schön für Frau Kutzner, auch einmal etwas erzählen zu können, bei dem sie nicht wie ein Trottel dastand, sondern wo es um richtige Erfolge ging. Was war schon eine weitere Geburt gegenüber einer richtigen Fernsehsendung. Auch wenn es um verschwitzte und behaarte Männer ging. Als sie wieder im Haus war, nahm Frau Kutzner einen Staublappen, holte die Ringer-Trophäen von Arno aus der Vitrine und brachte den goldenen Kunststoff zum Glänzen.

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