(189) Willkommen bei Bel Hair!

von Alain Fux

„Willkommen bei Bel Hair!“ Er hatte dunkle, kräftige Haare gehabt. Dörthe könnte nicht sagen, wie vielen Menschen sie bereits die Haare gewaschen hatte, aber bei Arno Kutzner fühlte es sich irgendwie anders an. Sie spürte, dass er es genoss, wie sie seine Kopfhaut massierte. Er hatte die Augen geschlossen und sie konnte sein Gesicht im Spiegel studieren. Seine Augenbrauen waren sehr breit und expressiv, Sein Kinn war kräftig, markant. Durch die nachwachsenden Bartstoppeln kam die Kontur samt der Grübchen sehr schön heraus. Beim Haareschneiden kamen sie weiter ins Gespräch.

Er erzählte, dass er Sportmanager sei und gerade vor einem großen Abschluss stehe. Er hoffte, dass ihr Haarschnitt ihm Glück bringen würde.

Einen Tag später war er wieder da und umarmte sie überschwänglich: er hatte den Auftrag bekommen. Er lud sie zum Essen ein. Danach waren sie in einer Bar und tranken viel. Er brachte sie nach Hause, sie nahm ihn mit hinein. Sie landeten im Bett. Sie wollte ihm gerade den Gürtel aufmachen, als ihr schlecht wurde und sie sich ins Bett übergab. Dann hatte sie keine Erinnerung mehr.

Am nächsten Morgen wachte sie mit einem fürchterlichen Kater auf. Arno brachte ihr Frühstück ans Bett. Das Bettzeug war gewechselt und sie trug einen Schlafanzug. Sie fühlte zwischen ihren Beinen, es schien sonst nichts passiert zu sein. Arno machte sich Vorwürfe, dass er die Ursache war und ihr zu viel nachgeschenkt hatte. Sie nahm ihn vor sich selbst in Schutz.

Einen Tag später trafen sie sich wieder und blieben gleich bei Dörthe. Sie verliebte sich in seinen Geruch, frisch und doch männlich herb. Am nächsten Morgen sagte er ihr, dass er für längere Zeit weg sei, auf Investorensuche. Er hatte einen Vertrag für eine Reihe von Sportevents im Ringen, aber er brauchte noch eine Anschubfinanzierung. Leider war gerade all sein Geld bereits in anderen Projekten eingebunden. Mit dem Vertrag in der Tasche würde er europäisches Ringen so groß machen wie Wrestling in den USA. Eine sichere Sache, er kannte alle Verbandsleute und die Verantwortlichen in den Fernsehsendern, die nur auf gutes Programm warteten.

Sie bot ihm an, von ihr Geld zu leihen. Er lehnte ab. Sie bestand darauf. Er nahm an. Nachher fuhren sie zur Bank.

Kurz darauf musste Arno im Land herumreisen, um die besten Ringer unter Vertrag zu nehmen. Er hatte ihr gesagt, dass es 269  Vereine gab, die er alle besuchen müsse. Sie hörte nie wieder von ihm. Es war ihr zu peinlich, zur Polizei zu gehen, obwohl Claudia sie dazu drängte. Dabei hatte Dörthe im Gespräch mit Claudia die geliehene Geldsumme bereits um die Hälfte reduziert. Auf jeden Fall hatte Arno die besten Haare gehabt, die sie je gewaschen hatte und er hatte trotz allem in ihrer schwächsten Stunde keinen Vorteil von ihr genommen. Das war ihr wichtig.

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