(187) Emma Heinemann überprüfte, ob der Scan ihrer Zeichnung dem Original entsprach…

von Alain Fux

Emma Heinemann überprüfte, ob der Scan ihrer Zeichnung dem Original entsprach, dann schloss sie die Datei und schickte die E-Mail an ihren Lieferanten ab. Damit hatte sie das letzte Stück für die neue Kollektion abgeschlossen. In einer Woche würde sie zu dem Fabrikanten nach China fliegen, um alle Muster abzunehmen. Dann konnte die Produktion beginnen.

Sie stellte eine leere Tasse in die Espressomaschine und drückte den Knopf. Sie konnte mit sich zufrieden sein. In den letzten fünf Jahren hatte sie aus einem Hobby ein gutgehendes Geschäft gemacht. Zuerst hatte sie ein Armband mit Magnetsteinen für sich selbst kaufen wollen. Es war ihr aber zu teuer gewesen. Deshalb hatte sie es nachgebaut. Freundinnen wollten das gleiche. Dann hatte sie eigene Entwürfe angefertigt und im Freundeskreis verkauft. Schließlich hatte ihr Friseur angeboten, die Schmuckstücke in seinem Salon anzubieten. Er gab ihr auch die Möglichkeit, bei einer Messe für Friseurbedarf auszustellen. Das war ein voller Erfolg gewesen. Sie konnte ihren Job bei der Konzert-Agentur kündigen.

Und jetzt war Emma mit ihrer Emma-Kollektion der größte Anbieter von Magnetschmuck bei Friseuren. Die tatsächliche Fertigung der Stücke hatte sie schon längst abgegeben. Eine Zeichnung genügte und der Schmuckhersteller in China lieferte ihr genau, was sie brauchte.

Die Selbständigkeit war für Emma ein Erfolg auf der ganzen Linie. Außerdem hatte sie damit auch Rüdiger besser im Griff. Während sie sich um Design und Logistik kümmerte, war er unterwegs und erledigte den Verkauf. Früher wusste sie nie, was er gerade machte, jetzt kannte sie zumindest seine Tourenplanung.

Sie liebte ihn, aber er war, wie sie von Anfang an wusste, ein Hallodri. Zum einen hatte er immer Frauengeschichten gehabt. Emma wusste davon, aber sie hatten das stille Einverständnis, dass er diskret sein würde und sie darüber hinweg sehen würde. Zum anderen hatte er ständig unausgegorene Geschäftsideen. Einmal hatte er die Idee, einen Antiquitätenhandel aufzuziehen mit Möbeln, die er auf Flohmärkten in England kaufen wollte. Von seiner ersten Erkundungstour kam er mit einem gebrauchten Rolls Royce zurück, den er in Knallrot umspritzen ließ. Der Kauf hatte zwar wenig gekostet, die Wartung war aber umso teurer. Wenigstens konnten sie das Auto von der Steuer absetzen, weil er es für Vertreterbesuche nutzte. Rudo, wie er sich nannte, wenn er sich für besonders unwiderstehlich hielt, war immer ein Kind geblieben. Deshalb konnte sie ihm nie lange böse sein.

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