(180) Prof. Ludolf Rahm räusperte sich und schaute in die Runde seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter.

von Alain Fux

Prof. Ludolf Rahm räusperte sich und schaute in die Runde seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter. Als Institutsleiter war es seine Aufgabe, die traurige Nachricht selbst zu übermitteln. Er schaute auf seinen Sprechzettel, wo er die einzelnen Punkte notiert hatte, die er ansprechen wollte:

1. Dr. Kuhn bleibt verschwunden. Hatte USB Stick dabei. Kidnapper hatten es darauf abgesehen. Tochter wohlauf.

2. Große Sicherheitsbedenken des Geheimdiensts.

3. Verteidigungsministerium hat Raumprogramm erst einmal gestoppt. Wiederaufnahme möglich, aber nicht vor 12 Monaten.

4. Die meisten wissenschaftlichen Mitarbeiter werden wieder an ihre Unis zurückgehen. Institut wird mit Mindestbelegschaft weitergeführt.

5. Persönliches Bedauern.

Nachdem er seine Rede gehalten hatte, ging Prof. Rahm zurück in sein Büro. Als er die Tür schließen wollte, bemerkte er Eric Romano, der ihm gefolgt war. „Ah, Romano, es tut mir wirklich leid.“ – „Was ist mit Elvis?“, fragte Romano. Prof. Rahm starrte ihn an. „Nichts, der Affe bleibt hier unten.“ – „Aber in einem Jahr wird er zu groß sein, er passt dann nicht mehr in die Kapsel.“ – „Ich sehe. Dann wird er wohl nie fliegen. Ach, suchen Sie doch noch nach einem Platz für ihn, bevor Sie wieder zu Ihrer Uni zurückkehren.“ – „Ich habe keine Uni, Herr Professor“, entgegnete Romano. „Das tut mir leid. Aber ich bin sicher, dass jemand mit Ihren Qualitäten schnell etwas Neues findet. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden.“ Prof. Rahm schloss die Tür und ließ Eric Romano davor stehen.

Romano war im Institut für die Pflege von Elvis verantwortlich, dem Schimpansen, der die neue Raumkapsel testen sollte. Eigentlich wurde der Schimpanse als Nr. 149 bezeichnet. Romano hatte ihn Elvis genannt, wegen der Koteletten. Er ging ins Labor zurück und nahm Elvis aus seinem Käfig. Der Schimpanse schien zu merken, dass etwas nicht stimmte. Er schaute Romano fragend an. Es war ungewohnt laut, in dem Trakt mit den Wissenschaftlerbüros. Romano ging zur Glastür und sah, dass seine Kollegen dabei waren, ihre persönlichen Dinge in Kartons zu packen und sich voneinander zu verabschieden. Es sah so aus, als ob sich das Institut auflöste. Niemand kümmerte sich um Elvis, außer ihm. Er wartete bis die anderen gegangen waren, einige verabschiedeten sich sogar von ihm. Dann packte er Elvis in den Transportkäfig, über den er eine Plane hängte. So trug er den Schimpansen aus dem Institut zu seinem Auto. „Elvis has left the building“, dachte er und lächelte.

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