(179) Kuhn wusste, dass ihm wenig Zeit blieb.

von Alain Fux

Kuhn wusste, dass ihm wenig Zeit blieb. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Voss ihn auf ein Schiff verschleppen würde, um in Ruhe die Daten zu überprüfen. Im Schutz der Nacht hatten sie Kuhn auf einen ausgemusterten Trawler gebracht und waren damit in See gestochen. Mit an Bord waren neben Voss, dem Fahrer und dem Helfer noch zwei andere Männer. Kuhn war in einer engen, spärlich eingerichteten Kajüte eingeschlossen. Allerdings hatte das Bett eine Umrandung aus Stahlrohren. Kuhn mühte sich ab und schaffte es, ein Stück Rohr von etwa einem Meter herauszuschrauben. Er legte es griffbereit neben sich auf das Bett und wartete.

Die Schiffsmotoren brummten monoton und übertünchten jedes andere Geräusch. Plötzlich wurde die Tür aufgeschlossen und der Fahrer kam mit Pistole im Anschlag herein. Kuhn fragte, wohin das Schiff fahre, aber der Fahrer schüttelte nur den Kopf. Er stellte eine Gamelle mit Suppe auf den Tisch und legte einen Löffel daneben. Als er sich wieder zur Tür wandte, schlug Kuhn ihn mit dem Rohrstück nieder. Er nahm die Pistole an sich.

Als er auf dem Gang stand, verschloss er die Tür hinter sich. Er stieg die gegenüberliegende Treppe hoch. das Dröhnen war hier noch lauter, er musste ständig um sich blicken, um sicher zu gehen, dass man ihn nicht entdeckte. Langsam schlich er sich nach vorne, Richtung Brücke. Das Rohr hielt er zum Schlag bereit, die Pistole war in seiner anderen Hand. Ohne Zwischenfälle kam er durch den dunklen Gang bis zur Brücke. Er blickte um die Ecke. Ein Mann mit einer Schiffermütze stand am Steuer und schaute nach vorne. Zwischen ihm und Kuhn stand der Kartentisch und darauf lag ein Funkgerät.

Kuhn zog den Kopf wieder zurück. Er war Hobbysegler und erkannte, dass er mit dem Funkgerät einen Notruf absetzen könnte. Mittlerweile würde Lara von Polizei und Geheimdienst befragt worden sein und man würde ernsthaft nach ihm suchen. Wahrscheinlich hatte Lara gesehen, dass er einen USB-Stick übergab. Das würde die Anstrengungen noch einmal vervielfachen. Die Distanz zum Land war noch nicht so groß. Ein Sonderkommando wäre per Helikopter schnell zur Stelle. Würde er sich so lange auf dem Schiff verstecken können? Vielleicht vortäuschen, dass er ins Meer gesprungen sei? Er hatte keine Wahl. Voss saß irgendwo im Schiff und untersuchte die Daten. Bei der ersten Unstimmigkeit würde er Kuhn umbringen. Vielleicht hatte er dies schon immer vorgehabt. Ausschalten und ins Meer werfen.

Kuhn legte das Rohr vorsichtig nieder und sicherte es mit seinen Schuhen, die er auszog. Dann schlich er im Schutz des Kartentisches auf allen Vieren um die Ecke in Richtung Funkgerät.

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