(178) Es war ein Auftrag, wie Hakan Voss sie mochte…

von Alain Fux

Es war ein Auftrag, wie Hakan Voss sie mochte: ein langjähriger Kunde, ein klares Ziel, ein erkleckliches Honorar im Erfolgsfall. Hakan Voss war sicher, dass er die Pläne für die neue Raumkapsel bekommen würde.

Zuerst hatte sich dieser Wissenschaftler, Julius Kuhn, zwar geweigert, die Daten herauszurücken, obwohl Voss ihm eine Menge Geld geboten hatte. Sei es drum, es gab andere Wege. Kuhns Tochter Lara zu kidnappen war ein leichtes für ihn. Ein Telefonat später und er hatte Kuhn genau dort, wohin er ihn haben wollte. Das Leben von Lara gegen einen USB-Stick mit den Plänen der Kapsel. Das einfachste Geschäft der Welt.

Wenn man Voss nach seiner größten Stärke gefragt hätte, dann wäre seine Antwort gewesen: „Ich vereinfache Dinge. Bei mir kommt B direkt nach A. Und so war es auch hier. Nachfrage, Angebot, Geschäft.“ Einen Tag hatte Kuhn Zeit alle Dateien zusammen zu bringen. Dann würde Voss ihm einen Treffpunkt nennen. So einfach war das.

Dreimal hatte Julius Kuhn den Hörer in die Hand genommen, dreimal hatte er wieder aufgelegt, ohne die Polizei anzurufen. Das Leben seiner Tochter war in Gefahr. Er hatte aber auch mehrere Jahre als Projektleiter diese Kapsel entwickelt. Auch sie war wie ein Kind für ihn. Es musste einen Weg geben, beides zu retten. Systematisch ging er alle Möglichkeiten durch. Noch in der Nacht hatte er einen Lösungsweg gefunden. Er arbeitete den Tag durch an dessen Umsetzung.

Um 20 Uhr rief Voss wieder an und sagte ihm, dass er sich in Richtung Alter Hafen in Bewegung setzen sollte. Unterwegs bekam Kuhn noch zwei weitere Anrufe. Schließlich stand er im 5. OG eines Parkhauses, in zehn Metern Entfernung ein schwarzes Auto. Ein Mann stieg aus. Es war nicht Voss, die Stimme war eine andere.

Kuhn durfte seine Tochter sehen, sie schien ok. Er verlangte, dass man sie laufen ließ und er dafür ihre Rolle als Geisel übernahm. So geschah es. Zwei Minuten später stand Lara allein und frierend auf dem Parkdeck und Kuhn saß im Fonds des Wagens zwischen Voss und seinem Helfer. Der Wagen fuhr aus dem Parkhaus hinaus. Voss sah so aalglatt aus, wie Kuhn ihn sich vorgestellt hatte. Er hatte den USB-Stick in den Fingern gedreht, während sein Helfer Kuhn durchsuchte und der Fahrer ihn mit einer Pistole in Schach hielt. Lara hatte verschüchtert zugesehen.

„Dr. Kuhn“, sagte Voss, „Sie werden verstehen, dass ich die Daten genauer untersuchen muss, bevor ich Sie freigebe. Solange sind Sie mein Gast.“ Kuhn hatte Lara noch zugewunken, als er sich in den Kofferraum legen musste. Sein Plan war aufgegangen: Lara war sicher, auf dem Stick waren die wichtigsten Dateien verfälscht. Doch seine eigene Zukunft war sehr ungewiss.

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