(177) Hast du gesehen, er hatte ganz feuchte Augen bekommen. Ekhard?

von Alain Fux

„Hast du gesehen, er hatte ganz feuchte Augen bekommen. Ekhard?“ Anneliese beugte sich nach vorn, um von der Seite in den Ohrensessel hinein zu schauen und Ekhards Augen zu erhaschen. Fast schien es, als ob er eingeschlafen sei. „Das war bestimmt Glyzerin. So etwas nehmen die doch für Tränen“, entgegnete Ekhard. Er hatte also doch nicht geschlafen. „Glaubst du?“, meinte sie skeptisch. „Natürlich.“

Ekhart stand kurz auf und drehte den Sessel etwas, damit er sie besser sehen konnte. „Glaubst du, dass diese Szene mit dem Rosenkranz einfach so, zufällig, gedreht wurde?“ –Anneliese dachte nach. „Ich glaube schon. Das sah doch alles sehr natürlich aus. Das Restaurant gibt es bestimmt.“ – „Ja sicher gibt es dieses Restaurant. Aber die haben das komplett gemietet, um diese Szene zu drehen. Da war keiner echt. Von wegen Restaurantbesucher. Das waren alles Komparsen.“ – „Meinst du wirklich“, fragte sie noch einmal. „Ja, wie naiv bist du denn eigentlich? Meinst du, Rosenkranz läuft ständig mit einem Kamerateam rum, wenn er mal um die Ecke essen geht? Ein Kameramann, ein Toningenieur und wahrscheinlich auch noch ein Produzent, denn es sind ja unsere Gelder, die da verbraten werden. Alle Komparsen sind vorher gecasted worden, die Dialoge sind von einem Autor geschrieben worden. Da ist keine Spontanität dabei. Alles abgekartet.“ – „Das hätte ich jetzt nicht gedacht.“ Anneliese sah beunruhigt aus. „Aber das war doch schon der Rosenkranz selbst, oder? Oder hatten sie ihn auch gegen einen Doppelgänger ersetzt?“ – „Natürlich war es Rosenkranz selbst. Die können ihnen ja nicht austauschen, denn wegen ihm schauen die Leute diese Sendung ja.“ – „Aber, du hast doch gerade gesagt, dass alles falsch und abgekartet ist.“ – „Manchmal glaube ich…“ setzte er an, stoppte sich aber nach einem kurzen Blick auf die Uhr. „Seit du in diesen Filmfonds investiert hast, bist du diesen Leuten gegenüber schon sehr bissig, Ekhard.“ – „Die haben es nicht besser verdient, diese Amateure. Jetzt möchte ich meinen Film sehen. Gib mir mal die Fernbedienung.“ – „Was willst du denn sehen?“ – „Ein Spionagefilm. Er heißt…“ Ekhart griff nach der Fernsehzeitschrift. „Er heißt ‚Flammen im Weltraum.“ – „Aha, das klingt nicht nach einem Film, den ich mir ansehen möchte. Ich räum‘ noch mal in der Küche auf, dann geh ich ins Bett.“

Sie ging aus dem Zimmer. Ekhart rückte seinen Sessel wieder zurecht und lehnte den Sitz nach hinten. Eine Fußlagerung schob sich heraus und er legte sich auf den Sessel. Er drückte einen Knopf der Fernbedienung.

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