(176) Lustig war Kim Rosenkranz immer nur in seinen Filmrollen.

von Alain Fux

Lustig war Kim Rosenkranz immer nur in seinen Filmrollen. Im richtigen Leben war er aber keineswegs griesgrämig. Er war stets freundlich, erfüllte alle Autogrammwünsche – aber er bewahrte Distanz und vermied es, lustig zu sein.

Auf der Leinwand spielte er eigentlich immer die gleiche Rolle: bodenständige Charaktere mit Bauernschläue und einem derben, anarchistischen Humor. Er war ein festes Ensemble-Mitglied in einer Filmreihe, die sich bereits über lange Jahre hinzog, eine Mischung aus Komödie, Parodie und Slapstick. In jedem Film, bei dem Rosenkranz mitwirkte, gab es eine Szene, in der er aus unerklärten Gründen beide Hosenbeine hochkrempelte. Der Gag stammte noch aus der Zeit, als er Tourneeschauspieler war. Wenn das Publikum nicht richtig zum Lachen kam, war das fast immer ein todsicheres Mittel gewesen. Es war sein Erkennungszeichen geworden und es half ihm irgendwie, nicht zu vergessen, wo er herkam.

Er ging immer noch in die gleichen Kneipen und Restaurants wie vor seinen Erfolgen. Eines seiner Stammlokale war die Taverna San Pietro. Natürlich schauten die Gäste auf ihn, wenn er eintrat, den Wirt und die Kellner begrüßte, seinen Mantel ablegte und sich hinsetzte.

Einmal, er hatte gerade seine Hauptspeise aufgegessen, Trota salmonata alla panna, als ein Gast rief: „Krempeln Sie doch mal die Hosenbeine hoch!“ Rosenkranz drehte sich um, konnte den anonymen Rufer aber nicht ausmachen. „Danke für die Aufforderung, aber heute nicht. Bin jetzt nicht im Dienst.“ Der Kellner brachte ihm einen Espresso. Dann die Stimme einer Frau: „Bitte, machen Sie es für mich.“ Rosenkranz schüttelte milde den Kopf. Dann kamen ein junger Mann, wahrscheinlich der erste Rufer, und seine Freundin nach vorne, stellten sich vor ihm auf und krempelten sich die Beine ihrer Jeanshosen hoch. Als sie da standen und lächelnd zu ihm schauten, standen weitere Gäste auf, stellten sich daneben und krempelten ebenfalls ihre Hosenbeine hoch. Am Ende standen alle Gäste vor ihm und sogar die Kellner taten es ihnen nach und hoben dafür ihre langen weißen Schürzen hoch.

Schließlich konnte Rosenkranz nicht anders. Er trank seinen Espresso aus und stand mit einem Ruck auf. Er blickte in die Runde, die Spannung war groß. „Aber nur ein einziges Mal“, sagte er. Dann bückte er sich und krempelte seine Hosenbeine hoch, in der Art, wie man es aus seinen Filmen kannte. Alle fingen an zu klatschen. Er verbeugte sich.

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