(163) Im Zoo konnten sie quasi durch den Lieferanteneingang einfahren.

von Alain Fux

Im Zoo konnten sie quasi durch den Lieferanteneingang einfahren. Christian setzte den Wagen rückwärts an das Haus heran, in dem Nadia ihren Arbeitsplatz hatte. Eine Kollegin half Nadia beim Entladen. Weil Christian keine besondere Lust verspürte, das Gekrabbel noch länger anzuhören, sagte er Nadia, dass er sich etwas im Zoo umschauen wollte.

Er ging zuerst zum Elefantenhaus und schauten den Tieren zu, wie sie im Gehege rumstanden und ihre Rüssel pendeln ließen. Die Löwen lagen träge in der Sonne und dösten. Auch die Giraffen standen nur kauend rum. Es war zwar friedlich, aber auch langweilig. Christian suchte nach den Nabelschweinen. Als er ihr Gehege gefunden hatte, schien es leer.

Er folgte dann dem Schild ‚Menschenaffen‘. Im Außengehege vor dem Haus war eine Tierpflegerin mit einem Orang-Utan zugange. Das Tier lag mit dem Bauch auf einer Holzbank und die Pflegerin massierte ihm den Rücken. Ganz so, wie Christian es bei Menschen gesehen hatte.

Der Orang-Utan schien die Behandlung zu genießen. Mit offenem Mund lag er da, eine Hand hing locker herunter und zupfte an Grashalmen. Christian stellte sich an den Wassergraben und schaute zu. Die Pflegerin blickte auf und lächelte ihn an. „Scheint ihm Spaß zu machen“, rief Christian. „Ja. Aber er ist eine sie und sie heißt Nonja“, rief die Pflegerin zurück. „Wie wäre es? Wollen Sie als nächster drankommen? Ich massiere auch Menschen.“ Christian lachte, aber Cindy Marquardt, wie die Pflegerin sich später vorstellte, meinte es ernst.

Als sie mit Nonja fertig war und die Äffin wieder in das Haus gesperrt hatte, ließ sie Christian in das Außengehege herein. Er legte sich auf die Bank und sie massierte ihm den Rücken. „Sie machen das toll“, meinte er. „Genau das Richtige nach der langen Autofahrt.“ – „Sie sind der Freund von Nadia, nicht wahr?“ Christian zierte sich. „Na ja, wir kennen uns noch aus der Schule. Wir sind… gute Bekannte.“ Als Cindy fertig war, gab sie ihm lächelnd die Hand zum Abschied. „Wir sehen uns bestimmt wieder. Sie gehören ja jetzt zur Zoofamilie, nach dem heroischen Einsatz für die Skorpione.“

Christian kehrte zu Nadia zurück. „Wir haben doch noch einen Androctonus im Wagen gefunden!“, rief sie ihm zu. Christian wurde bleich. Sie beobachtete ihn und sagte dann: „Das war nur ein Scherz.“ – „Wirklich?“ Sie zögerte kurz. „Ja, wirklich. Vielen Dank für deine Hilfe. Ich weiß das wirklich zu schätzen. Hätte nicht jeder gemacht.“ – „Keine Ursache. Die lange Fahrt mit dir war sehr schön. Ich meine, es war toll, dich nach so langer Zeit wieder zu sehen. Ich habe es gern gemacht.“ – „Und jetzt lade ich dich als kleines Dankeschön zum Essen ein. Keine Angst, es gibt keine gerösteten Skorpione, obwohl die sehr lecker schmecken.“

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